
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
29 Am folgenden Tag sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt. 30 Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. 31 Auch ich kannte ihn nicht. Aber um Israel mit ihm bekannt zu machen, deshalb bin ich gekommen und taufe mit Wasser.
(Hom. xvii. [al. xvi.] 2) Damit es jedoch nicht scheine, als gäbe er sein Zeugnis aus irgendeinem Motiv der Freundschaft oder Verwandtschaft, weil er mit unserem Herrn nach dem Fleisch verwandt war, sagt er: Ich kannte ihn nicht. Johannes konnte ihn natürlich nicht kennen, da er in der Wüste lebte. Und die wunderbaren Ereignisse der Kindheit Christi, die Reise der Magier und dergleichen, lagen nun schon lange zurück; Johannes war noch ganz ein Kind, als sie geschahen. Und während der ganzen Zwischenzeit war er völlig unbekannt gewesen: so dass Johannes fortfährt: Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen, mit Wasser zu taufen. (Und daraus ist klar, dass die Wunder, die Christus in seiner Kindheit vollbracht haben soll, falsch und erfunden sind. Denn wenn Jesus in diesem frühen Alter Wunder gewirkt hätte, wäre er Johannes nicht unbekannt gewesen, noch hätte die Menge einen Lehrer gebraucht, der ihn ihnen zeigte.) Christus selbst bedurfte also nicht der Taufe; noch geschah jene Waschung aus einem anderen Grund, als um im Voraus ein Zeichen des Glaubens an Christus zu geben. Denn Johannes sagt nicht: um die Menschen zu verändern und von der Sünde zu befreien, sondern: damit er in Israel offenbart werde, bin ich gekommen zu taufen. Aber wäre es ihm nicht erlaubt gewesen, zu predigen und Menschenmengen zu versammeln, ohne zu taufen? Ja: aber dies war der leichtere Weg, denn er hätte nicht solche Zahlen gesammelt, wenn er ohne Taufe gepredigt hätte.