Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
14 Und das Wort ist Fleisch geworden / und hat unter uns gewohntund wir haben seine Herrlichkeit geschaut, / eine Herrlichkeit, wie sie der einzige Sohn vom Vater hat, / voll Gnade und Wahrheit.
(in loc.) Der Evangelist beabsichtigt durch die Erwähnung des Fleisches, die unsagbare Herablassung Gottes zu zeigen und uns zu bewegen, sein Erbarmen zu bewundern, dass er zu unserem Heil annahm, was seiner Natur so entgegengesetzt und unähnlich war wie das Fleisch; denn die Seele hat eine gewisse Verwandtschaft mit Gott. Wenn aber das Wort Fleisch geworden ist und nicht zugleich eine menschliche Seele annahm, so würde folgen, dass unsere Seelen noch nicht wiederhergestellt wären; denn was er nicht annahm, konnte er nicht heiligen. Welch ein Hohn also, wenn die Seele zuerst sündigte, nur das Fleisch anzunehmen und zu heiligen und den schwächsten Teil unberührt zu lassen! Dieser Text widerlegt Nestorius, der behauptete, nicht das Wort selbst, ja Gott selbst, sei Mensch geworden, empfangen aus dem heiligen Blut der Jungfrau; sondern die Jungfrau habe einen Menschen geboren, der mit jeder Art von Tugend begabt war, und das Wort Gottes sei mit ihm vereint worden; so machte er zwei Söhne, einen von der Jungfrau geborenen, d. h. den Menschen, den anderen von Gott geborenen, das ist der Sohn Gottes, der mit jenem Menschen durch Gnade, Verwandtschaft und Liebe vereint sei. Dem widersprechend erklärt der Evangelist, dass das Wort selbst Mensch geworden ist, nicht dass das Wort sich auf einen gerechten Mann stützte und sich mit ihm vereinte.