III, q. 56 a. 2
Ob die Auferstehung Christi die Ursache der Auferstehung der Seelen ist?
Quaestio 56 · Von der Kausalität der Auferstehung Christi
Einwand 1: Es scheint, dass die Auferstehung Christi nicht die Ursache der Auferstehung der Seelen ist, weil Augustinus sagt (Tract. xxiii super Joan.), dass „die Leiber durch Seine menschliche Heilsordnung auferstehen, die Seelen aber durch die Substanz Gottes auferstehen.“ Aber die Auferstehung Christi gehört nicht zur Substanz Gottes, sondern zur Heilsordnung Seiner Menschheit. Daher scheint es, obwohl die Auferstehung Christi die Ursache für das Auferstehen der Leiber ist, dennoch nicht so zu sein, dass sie die Ursache der Auferstehung der Seelen ist.
Einwand 2: Ferner wirkt ein Körper nicht auf einen Geist. Aber die Auferstehung gehört zu Seinem Leib, den der Tod niedergestreckt hatte. Daher ist Seine Auferstehung nicht die Ursache der Auferstehung der Seelen.
Einwand 3: Ferner, da die Auferstehung Christi die Ursache ist, warum die Leiber auferstehen, werden die Leiber aller Menschen auferstehen, gemäß 1 Kor 15,51: „Wir werden zwar alle auferstehen.“ Aber die Seelen aller werden nicht auferstehen, weil gemäß Mt 25,46: „einige in die ewige Pein gehen werden.“ Daher ist die Auferstehung Christi nicht die Ursache der Auferstehung der Seelen.
Einwand 4: Ferner kommt die Auferstehung der Seelen aus der Vergebung der Sünden. Dies aber wurde durch das Leiden Christi bewirkt, gemäß Offb 1,5: „Er hat uns gewaschen von unseren Sünden in Seinem Blut.“ Folglich ist das Leiden Christi noch mehr als Seine Auferstehung die Ursache der Auferstehung der Seelen.
Dagegen spricht, dass der Apostel sagt (Röm 4,25): „Er ist auferstanden zu unserer Rechtfertigung“, was nichts anderes ist als die Auferstehung der Seelen; und zu Ps 29,6: „Am Abend kehrt Weinen ein“, sagt die Glosse: „Die Auferstehung Christi ist die Ursache der unsrigen, sowohl der Seele in der Gegenwart als auch des Leibes in der Zukunft.“
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt, die Auferstehung Christi kraft der Gottheit wirkt; diese Kraft erstreckt sich nun nicht nur auf die Auferstehung der Leiber, sondern auch auf die der Seelen: denn es kommt von Gott, dass die Seele durch die Gnade lebt und dass der Leib durch die Seele lebt. Folglich hat die Auferstehung Christi instrumentell eine wirkende Kraft nicht nur in Bezug auf die Auferstehung der Leiber, sondern auch in Bezug auf die Auferstehung der Seelen. In gleicher Weise ist sie eine exemplarische Ursache in Bezug auf die Auferstehung der Seelen, weil wir auch in unseren Seelen dem auferstehenden Christus gleichförmig sein müssen: wie der Apostel sagt (Röm 6,4-11): „Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt ist, so sollen auch wir in Neuheit des Lebens wandeln“; und wie Er, „von den Toten auferweckt, hinfort nicht mehr stirbt, so haltet auch ihr euch dafür“, dass ihr der Sünde gestorben seid, damit wir „zusammen mit Ihm leben“.
Antwort auf Einwand 1: Augustinus sagt, dass die Auferstehung der Seelen durch die Substanz Gottes gewirkt wird, was die Teilhabe betrifft, weil die Seelen gut und gerecht werden durch die Teilhabe an der göttlichen Güte, nicht aber durch die Teilhabe an irgendetwas Geschaffenem. Dementsprechend fügt er, nachdem er gesagt hat, dass die Seelen durch die göttliche Substanz auferstehen, hinzu: Die Seele wird beseligt durch eine Teilhabe an Gott und nicht durch eine Teilhabe an einer heiligen Seele. Aber unsere Leiber werden glorreich gemacht durch die Teilhabe an der Herrlichkeit des Leibes Christi.
Antwort auf Einwand 2: Die Wirksamkeit der Auferstehung Christi erreicht die Seelen nicht aufgrund irgendeiner speziellen Kraft Seines auferstandenen Leibes, sondern aufgrund der Kraft der Gottheit, die personal mit ihm vereint ist.
Antwort auf Einwand 3: Die Auferstehung der Seelen gehört zum Verdienst, welches die Wirkung der Rechtfertigung ist; aber die Auferstehung der Leiber ist zur Bestrafung oder Belohnung hingeordnet, welche die Wirkungen dessen sind, der richtet. Nun kommt es Christus zu, nicht alle Menschen zu rechtfertigen, sondern sie zu richten: und deshalb erweckt Er alle hinsichtlich ihrer Leiber, aber nicht hinsichtlich ihrer Seelen.
Antwort auf Einwand 4: Zwei Dinge wirken bei der Rechtfertigung der Seelen zusammen, nämlich die Vergebung der Sünde und die Neuheit des Lebens durch die Gnade. Folglich ist hinsichtlich der Wirksamkeit, die aus der göttlichen Kraft kommt, sowohl das Leiden als auch die Auferstehung Christi die Ursache der Rechtfertigung in Bezug auf beides oben Genannte. Aber hinsichtlich der Exemplarität sind eigentlich gesprochen das Leiden und der Tod Christi die Ursache der Vergebung der Schuld, durch welche Vergebung wir der Sünde absterben; wohingegen die Auferstehung Christi die Ursache der Neuheit des Lebens ist, die durch die Gnade oder Gerechtigkeit kommt; folglich sagt der Apostel (Röm 4,25), dass „Er hingegeben wurde“, d.h. in den Tod, „um unserer Sünden willen“, d.h. um sie wegzunehmen, „und auferstanden ist um unserer Rechtfertigung willen.“ Aber das Leiden Christi war auch eine verdienstliche Ursache, wie oben dargelegt (Artikel [1], ad 4; Quaestio [48], Artikel [1]).