II-II, q. 7 a. 2
Ob der Glaube die Wirkung hat, das Herz zu reinigen?
Quaestio 7 · Von den Wirkungen des Glaubens
Einwand 1: Es scheint, dass der Glaube das Herz nicht reinigt. Denn die Reinheit des Herzens betrifft hauptsächlich die Neigungen, während der Glaube im Verstand ist. Also hat der Glaube nicht die Wirkung, das Herz zu reinigen.
Einwand 2: Ferner ist das, was das Herz reinigt, unvereinbar mit Unreinheit. Der Glaube aber ist vereinbar mit der Unreinheit der Sünde, wie man an jenen sieht, die den toten Glauben haben. Also reinigt der Glaube das Herz nicht.
Einwand 3: Ferner, wenn der Glaube das menschliche Herz in irgendeiner Weise reinigen würde, so würde er hauptsächlich den Verstand des Menschen reinigen. Er reinigt den Verstand aber nicht von Dunkelheit, da er eine verhüllte Erkenntnis ist. Also reinigt der Glaube das Herz in keiner Weise.
Dagegen spricht, was Petrus sagte (Apg 15,9): „Er reinigte ihre Herzen durch den Glauben.“
Ich antworte darauf, dass ein Ding dadurch unrein ist, dass es mit Geringerem vermischt ist: Denn Silber wird nicht unrein genannt, wenn es mit Gold vermischt ist, was es verbessert, sondern wenn es mit Blei oder Zinn vermischt ist. Nun ist es offensichtlich, dass das vernunftbegabte Geschöpf vorzüglicher ist als alle vergänglichen und körperlichen Geschöpfe; so dass es unrein wird, indem es sich vergänglichen Dingen unterwirft, indem es sie liebt. Von dieser Unreinheit wird das vernunftbegabte Geschöpf durch eine entgegengesetzte Bewegung gereinigt, nämlich indem es zu dem strebt, was über ihm ist, nämlich Gott. Der erste Anfang dieser Bewegung ist der Glaube, da „wer zu Gott kommt, glauben muss, dass er ist“, gemäß Hebr 11,6. Daher ist der erste Anfang der Reinigung des Herzens der Glaube; und wenn dieser vollendet wird, indem er durch die Liebe belebt wird, wird das Herz dadurch vollkommen gereinigt.
Zu Einwand 1: Dinge, die im Verstand sind, sind die Prinzipien jener, die im Begehrungsvermögen sind, insofern das erkannte Gute das Begehrungsvermögen bewegt.
Zu Einwand 2: Auch der tote Glaube schließt eine gewisse Unreinheit aus, die ihm entgegengesetzt ist, nämlich die des Irrtums, welche darin besteht, dass der menschliche Verstand ungeordnet an Dingen unter sich festhält, indem er göttliche Dinge nach dem Maßstab sinnlicher Objekte messen will. Wenn er aber durch die Liebe belebt ist, dann ist er unvereinbar mit jeder Art von Unreinheit, weil „die Liebe alle Sünden zudeckt“ (Spr 10,12).
Zu Einwand 3: Die Dunkelheit des Glaubens gehört nicht zur Unreinheit der Sünde, sondern vielmehr zum natürlichen Mangel des menschlichen Verstandes gemäß dem gegenwärtigen Zustand des Lebens.