
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 9
18 Während er so zu ihnen redete, kam ein Synagogenvorsteher, fiel vor ihm nieder und sagte: Meine Tochter ist soeben gestorben. Aber komm und leg ihr deine Hand auf, dann wird sie leben. 19 Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern. 20 Da trat eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt, von hinten an ihn heran und berührte den Zipfel seines Gewandes. 21 Denn sie dachte: Wenn ich nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. 22 Jesus aber wandte sich um, sah sie und sagte: Mut, meine Tochter, dein Glaube hat dir Heilung gebracht. Von jener Stunde an war die Frau geheilt.
(De Cons. Ev. ii. 28.) Diese Erzählung wird sowohl von Markus als auch von Lukas überliefert, aber in ganz anderer Reihenfolge; nämlich als er nach der Austreibung der Dämonen und ihrem Eintritt in die Schweine über den See aus der Gegend der Gerasener zurückgekehrt war. Markus erzählt zwar, dass dies geschah, nachdem er den See wieder überquert hatte, aber wie lange danach, bestimmt er nicht. Wenn nicht ein gewisser Zeitraum dazwischen gelegen hätte, hätte das nicht geschehen können, was Matthäus über das Gastmahl in seinem Hause berichtet. Danach folgt sogleich das über die Tochter des Synagogenvorstehers. Wenn der Vorsteher zu ihm kam, während er noch über den neuen Flicken und den neuen Wein sprach, dann trat keine andere Rede von ihm dazwischen. Und bei Markus ist klar, wo diese Dinge eingeordnet werden könnten. Ebenso widerspricht Lukas nicht dem Matthäus; denn was er hinzufügt: Und siehe, ein Mann namens Jairus, (Lukas 8,41.) ist nicht so zu verstehen, als ob es unmittelbar auf das zuvor Erzählte folgte, sondern nach jenem Gastmahl mit den Zöllnern, wie Matthäus berichtet. Während er noch zu ihnen redete, siehe, da kam einer ihrer Obersten, nämlich Jairus, der Vorsteher der Synagoge, zu ihm, fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, meine Tochter ist soeben gestorben. Es ist zu beachten, damit kein Widerspruch zu bestehen scheint, dass die beiden anderen Evangelisten sie als dem Tode nahe darstellen, aber noch nicht tot, sondern so, dass später gesagt wird, es sei jemand gekommen mit der Botschaft: Sie ist gestorben, bemühe den Meister nicht; denn Matthäus stellt der Kürze wegen den Herrn so dar, als sei er zunächst gebeten worden, das zu tun, was er offensichtlich tat, nämlich die Tote aufzuerwecken. Er schaut nicht auf die Worte des Vaters über seine Tochter, sondern vielmehr auf seine Gesinnung. Denn er hatte so sehr an ihrem Leben verzweifelt, dass er vielmehr darum bat, sie wieder ins Leben zurückzurufen, da er es für unmöglich hielt, dass sie, die er sterbend zurückgelassen hatte, noch lebend angetroffen würde. Die beiden anderen haben also die Worte des Jairus wiedergegeben; Matthäus hat das wiedergegeben, was er wünschte und dachte. Hätte nämlich einer von ihnen berichtet, dass der Vater selbst gesagt habe, Jesus solle nicht bemüht werden, denn sie sei nun tot, dann würden die Worte, die Matthäus überliefert, nicht mit den Gedanken des Vorstehers übereinstimmen. Aber wir lesen nicht, dass er den Boten zugestimmt hätte. Daher lernen wir etwas höchst Notwendiges, dass wir bei den Worten eines Menschen nichts anderes betrachten sollen als seine Meinung, der seine Worte dienen sollen; und niemand gibt einen falschen Bericht, wenn er die Meinung eines Menschen mit anderen Worten als den tatsächlich gebrauchten wiedergibt.