
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 9
14 Da traten die Jünger des Johannes an ihn heran mit der Frage: Warum fasten wir und die Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht? 15 Jesus antwortete ihnen: Können die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein. Dann werden sie fasten. 16 Niemand setzt ein Stück neues Tuch auf ein altes Kleid; denn der Flicken reißt vom Kleid ab und der Riss wird noch schlimmer. 17 Auch füllt man nicht neuen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißen die Schläuche, der Wein läuft aus und die Schläuche sind verdorben. Neuen Wein füllt man in neue Schläuche, dann bleiben beide erhalten.
(Serm. 210. 3.) Andernfalls; Jeder, der recht fastet, demütigt entweder seine Seele im Seufzen des Gebets und in körperlicher Züchtigung, oder er unterbricht die Regung fleischlichen Verlangens durch die Freuden geistlicher Betrachtung. Und der Herr antwortet hier auf beide Arten des Fastens; bezüglich der ersten, die in der Demütigung der Seele besteht, sagt er: Die Kinder des Bräutigams können nicht trauern. Von der anderen, die ein Fest des Geistes hat, spricht er als Nächstes, wo er sagt: Niemand setzt einen Flicken aus ungewalktem Tuch. Dann müssen wir trauern, weil der Bräutigam von uns genommen wird. Und wir trauern zu Recht, wenn wir vor Verlangen nach ihm brennen. Selig sind die, denen es vor seinem Leiden gewährt wurde, ihn gegenwärtig zu haben, ihn zu fragen, was sie wollten, zu hören, was sie hören sollten. Jene Tage suchten die Väter vor seinem Kommen zu sehen und sahen sie nicht, weil sie in einer anderen Heilsordnung standen, einer, in der er als kommend verkündet wurde, nicht einer, in der er als gegenwärtig gehört wurde. Denn in uns erfüllte sich, wovon er spricht: Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen dieser Tage zu sehen, und werdet es nicht können. (Lk 17,22.) Wer wird dann nicht trauern? Wer wird nicht sagen: Meine Tränen sind mir zur Speise geworden Tag und Nacht, während sie täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott? (Ps 42,3.) Mit Recht also begehrte der Apostel zu sterben und bei Christus zu sein.