
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 9
1 Er stieg in das Boot, fuhr hinüber und kam in seine Stadt. 2 Da brachten sie ihm einen Gelähmten, der auf einem Bett lag. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mut, mein Kind, deine Sünden sind dir vergeben. 3 Da dachten einige Schriftgelehrte: Der lästert. 4 Da Jesus ihre Gedanken kannte, sagte er: Warum denkt ihr Böses in eueren Herzen? 5 Was ist denn leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 6 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Macht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben -- sagte er zu dem Gelähmten: Steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 7 Und er stand auf und ging heim. 8 Als das die Volksscharen sahen, fürchteten sie sich und priesen Gott, der den Menschen solche Vollmacht gegeben hat.
Er widersprach zwar nicht ihren Verdächtigungen, soweit sie angenommen hatten, er habe als Gott gesprochen. Denn wäre er nicht Gott dem Vater gleich gewesen, hätte er sagen müssen: Ich bin weit von dieser Macht entfernt, Sünden zu vergeben. Aber er bestätigt das Gegenteil durch seine Worte und sein Wunder; Was ist leichter zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh? Um wie viel die Seele besser ist als der Leib, um so viel ist es eine größere Sache, Sünden zu vergeben als den Leib zu heilen. Da aber das eine mit den Augen gesehen werden kann, das andere aber nicht sinnlich wahrgenommen wird, vollbringt er das geringere Wunder, das offensichtlicher ist, als Beweis für das größere, unsichtbare Wunder.