
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 8
18 Als Jesus die große Volksschar um sich sah, befahl er, an das andere Ufer zu fahren. 19 Da trat ein Schriftgelehrter an ihn heran und sagte zu ihm: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. 20 Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester. Der Menschensohn aber hat nichts, wohin er sein Haupt legen kann. 21 Ein anderer aber, einer von den Jüngern, sagte zu ihm: Herr, erlaube mir, zuerst heimzugehen und meinen Vater zu begraben. 22 Jesus aber antwortete ihm: Folge mir, und lass die Toten ihre Toten begraben.
Dieses Wort verurteilt nicht die natürliche Zuneigung zu unseren Eltern, sondern zeigt, dass nichts für uns verbindlicher sein darf als das Geschäft des Himmels; dass wir uns diesem mit allen unseren Kräften widmen sollen und nicht nachlässig sein dürfen, wie notwendig oder dringend auch immer die Dinge sind, die uns beiseite ziehen. Denn was könnte notwendiger sein, als einen Vater zu begraben? Was leichter? Denn es konnte nicht viel Zeit brauchen. Aber darin errettete der Herr ihn vor viel Übel, Weinen und Trauern und vor den Schmerzen der Erwartung. Denn nach dem Begräbnis musste die Prüfung des Willens, die Teilung des Erbes und andere Dinge dieser Art kommen; und so hätte Mühe auf Mühe, wie Wellen, ihn weit vom Hafen der Wahrheit getragen. Aber wenn du noch nicht zufrieden bist, bedenke weiter, dass oftmals die Schwachen nicht erlaubt sind, die Zeit zu wissen oder zum Grab zu folgen; obwohl der Tote Vater, Mutter oder Sohn sein mag; dennoch werden sie nicht der Grausamkeit angeklagt, die sie hindern; es ist vielmehr das Gegenteil von Grausamkeit. Und es ist ein viel größeres Übel, einen von der geistlichen Rede wegzuziehen; besonders wenn es solche gab, die die Riten vollziehen sollten; wie hier: Lass die Toten ihre Toten begraben.