
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 7
15 Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. 16 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man etwa Trauben von Dornen oder Feigen von Disteln? 17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte. 18 Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. 19 Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. 20 An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.
(vgl. Op. Imp. in. Jul. v. 40. &c. et alibi.) Aber wie es offenkundig ist, dass alle bösen Werke aus einem bösen Willen hervorgehen, wie die Früchte aus einem schlechten Baum; so – woher willst du sagen, dass dieser böse Wille selbst entsprungen ist, außer dass der böse Wille eines Engels von einem Engel, des Menschen von einem Menschen stammt? Und was waren diese beiden, bevor jene Übel in ihnen entstanden, anderes als das gute Werk Gottes, eine gute und lobenswerte Natur. Siehe also, aus Gutem entsteht Böses; und es gab überhaupt nichts, woraus es hätte entstehen können, außer was gut war. Ich meine den bösen Willen selbst, da vor ihm kein Übel war, keine bösen Werke, die nicht aus dem bösen Willen wie die Frucht aus einem schlechten Baum kommen konnten. Und man kann nicht sagen, dass er auf diese Weise aus dem Guten entsprungen sei, weil er von einem guten Gott gut gemacht wurde; denn er wurde aus nichts gemacht und nicht von Gott.