Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 7
15 Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. 16 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man etwa Trauben von Dornen oder Feigen von Disteln? 17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte. 18 Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. 19 Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. 20 An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.
Die Traube birgt in sich ein Geheimnis Christi. Wie die Traube viele Beeren enthält, die durch den holzigen Stiel zusammengehalten werden, so hält auch Christus viele Gläubige, die durch das Holz des Kreuzes mit Ihm verbunden sind. Die Feige wiederum ist die Kirche, die viele Gläubige durch eine süße Umarmung der Liebe verbindet, wie die Feige viele Samen enthält, die in einer Haut eingeschlossen sind. Die Feige hat also diese Bedeutungen, nämlich die Liebe in ihrer Süße, die Einheit in dem engen Zusammenhalt ihrer Samen. In der Traube zeigt sich die Geduld, insofern sie in die Kelter geworfen wird – die Freude, weil der Wein das Herz des Menschen erfreut – die Reinheit, weil sie nicht mit Wasser vermischt ist – und die Süße, insofern sie erfreut. Die Dornen und Disteln sind die Häretiker. Und wie ein Dorn oder eine Distel an jedem Teil scharfe Stacheln hat, so sind die Diener des Teufels, von welcher Seite du sie auch betrachtest, voller Bosheit. Dornen und Disteln dieser Art können also nicht die Früchte der Kirche tragen. Und nachdem Er einzelne Bäume angeführt hat, wie die Feige, den Weinstock, den Dorn und die Distel, fährt Er fort zu zeigen, dass dies allgemein gilt, indem Er spricht: So bringt jeder gute Baum gute Frucht, aber ein schlechter Baum bringt schlechte Frucht.