Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 7
15 Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. 16 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man etwa Trauben von Dornen oder Feigen von Disteln? 17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte. 18 Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. 19 Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. 20 An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.
Was unten geschrieben steht, dass das Gesetz und die Propheten bis auf Johannes reichen, (Mat. 11,13.) wird gesagt, weil es nach seiner Ankunft keine Prophezeiung über Christus mehr geben sollte. Propheten hat es zwar gegeben und gibt es, aber nicht solche, die über Christus prophezeien, sondern die auslegen, was von den Alten über Christus prophezeit wurde, das heißt von den Lehrern der Kirchen. Denn niemand kann den prophetischen Sinn enthüllen außer dem Geist der Prophezeiung. Der Herr nun, der wusste, dass es falsche Lehrer geben würde, warnt sie vor verschiedenen Häresien und sagt: Hütet euch vor den falschen Propheten. Und da sie nicht offenkundige Heiden sein würden, sondern unter dem christlichen Namen lauern, sagte er nicht: Seht, sondern: Hütet euch. Denn eine sichere Sache wird einfach gesehen oder betrachtet; wenn sie aber unsicher ist, wird sie beobachtet oder genau betrachtet. Auch sagt er: Hütet euch, weil es eine sichere Vorsichtsmaßnahme der Sicherheit ist, den zu kennen, den man meidet. Aber diese Form der Warnung, Hütet euch, bedeutet nicht, dass der Teufel Häresien gegen Gottes Willen einführt, sondern nur mit seiner Erlaubnis; sondern weil er Diener nicht ohne Prüfung erwählen wollte, sendet er ihnen Versuchung; und weil er nicht wollte, dass sie durch Unwissenheit zugrunde gehen, warnt er sie daher im Voraus. Auch damit kein häretischer Lehrer behaupten könne, er habe hier von heidnischen und jüdischen Lehrern gesprochen und nicht von ihnen, fügt er hinzu: die zu euch kommen in Schafskleidern. Christen werden Schafe genannt, und das Schafskleid ist eine Form des Christentums und der geheuchelten Religion. Und nichts verdrängt so sehr alles Gute wie die Heuchelei; denn das Böse, das den Anschein des Guten annimmt, kann nicht abgewehrt werden, weil es unbekannt ist. Wiederum, damit der Häretiker nicht vorbringe, er spreche hier von den wahren Lehrern, die doch Sünder waren, fügt er hinzu: Inwendig aber sind sie reißende Wölfe. Aber katholische Lehrer, sollten sie auch Sünder gewesen sein, werden als Diener des Fleisches bezeichnet, doch nicht als reißende Wölfe, weil es nicht ihre Absicht ist, Christen zu verderben. Klar ist also, dass er von häretischen Lehrern spricht; denn sie legen das Gewand von Christen an, um den Christen mit den bösen Zähnen der Verführung zu zerreißen. Von solchen spricht der Apostel: Ich weiß, dass nach meinem Abschied unter euch grimmige Wölfe eindringen werden, die die Herde nicht verschonen. (Apg. 20,29.)