Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 7
7 Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden, klopft an und es wird euch aufgetan. 8 Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan.
Oder anders; nachdem Er ihnen einige Gebote zur Heiligung des Gebets gegeben hatte, indem Er sprach: Richtet nicht, fügt Er entsprechend hinzu: Bittet, und es wird euch gegeben werden, als wollte Er sagen: Wenn ihr diese Barmherzigkeit gegenüber euren Feinden beobachtet, so klopft an alles, was euch verschlossen scheint, und es wird euch geöffnet werden. Bittet also im Gebet, indem ihr Tag und Nacht betet; sucht mit Sorgfalt und Mühe; denn weder erlangen wir durch Mühen in den Schriften allein ohne Gottes Gnade die Erkenntnis, noch erreichen wir die Gnade ohne Studium, damit nicht die Gabe Gottes den Nachlässigen zuteil werde. Klopft aber mit Gebet, Fasten und Almosen. Denn wie einer, der an eine Tür klopft, nicht nur mit der Stimme ruft, sondern mit der Hand schlägt, so klopft der, der gute Werke tut, mit seinen Werken. Du aber wirst sagen: Das ist es, worum ich bete, dass ich es erkenne und tue; wie kann ich es denn tun, bevor ich es empfangen habe? Tu, was du kannst, damit du fähig werdest, mehr zu tun, und bewahre, was du weißt, damit du dazu gelangest, mehr zu wissen. Oder anders; nachdem Er oben allen Menschen geboten hatte, ihre Feinde zu lieben, und danach eingeschärft hatte, dass wir nicht unter dem Vorwand der Liebe Heiliges den Hunden geben sollen, gibt Er hier den guten Rat, dass sie Gott für sie bitten sollen, und es wird ihnen gewährt werden; sie sollen die in Sünden Verlorenen aufsuchen, und sie werden sie finden; sie sollen an die klopfen, die in Irrtümern eingeschlossen sind, und Gott wird ihnen öffnen, damit ihr Wort Zugang zu ihren Seelen finde. Oder anders; da die oben gegebenen Gebote die Reichweite menschlicher Tugend überstiegen, verweist Er sie auf Gott, dem durch die Gnade nichts unmöglich ist, indem Er spricht: Bittet, und es wird euch gegeben werden, damit das, was von Menschen nicht vollbracht werden kann, durch die Gnade Gottes erfüllt werde. Denn als Gott die anderen Tiere mit schnellem Fuß oder schnellem Flügel, mit Krallen, Zähnen oder Hörnern ausstattete, machte Er den Menschen so, dass Er selbst des Menschen einzige Stärke sein sollte, damit er, durch seine eigene Schwäche getrieben, immer seinen Herrn nötig habe.