
Rabanus Maurus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 4
12 Als er hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. 13 Er verließ Nazaret und kam nach Kafarnaum, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali, und nahm dort Wohnung. 14 So erfüllte sich das Wort des Propheten Jesaja: Das Land Sebulon und das Land Naftali, 15 das Land am Meer, das Land jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: 16 das Volk, das im Finstern saß, sah ein großes Licht; über denen, die im Land und Schatten des Todes saßen, ist ein Licht aufgegangen.
(ap. Anserm.) In der Allegorie waren Johannes und die übrigen Propheten die Stimme, die dem Wort vorausging. Als die Prophetie aufhörte und gefesselt wurde, da kam das Wort und erfüllte, was der Prophet darüber gesagt hatte: Er zog sich nach Galiläa zurück, d. h. vom Bild zur Wahrheit. Oder in die Kirche, die ein Übergang vom Laster zur Tugend ist. Nazareth wird als ‚eine Blume‘ gedeutet, Kapernaum als ‚das schöne Dorf‘; er verließ also die Blume des Bildes (in der mystisch die Frucht des Evangeliums gemeint war) und kam in die Kirche, die mit den Tugenden Christi schön war. Sie liegt am Meer, weil sie nahe den Wellen dieser Welt liegt und täglich von den Stürmen der Verfolgung geschlagen wird. Sie liegt zwischen Zabulon und Naphtali, d. h. gemeinsam für Juden und Heiden. Zabulon wird gedeutet als ‚Wohnung der Stärke‘, weil die Apostel, die aus Judäa erwählt wurden, stark waren. Naphtali, ‚Ausdehnung‘, weil die Kirche der Heiden über die Welt ausgebreitet wurde.