
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 28
1 Nach dem Sabbat, in der Morgendämmerung des ersten Wochentags, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Da entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn stieg vom Himmel herab, trat hinzu, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. 4 Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. 5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist nicht hier; denn er ist auferweckt worden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stelle, wo er gelegen hat. 7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferweckt worden. Er geht euch voraus nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt.
(de Cons. Ev. iii. 24.) Bezüglich der Stunde, wann die Frauen zum Grab kamen, erhebt sich eine Frage, die nicht übergangen werden darf. Matthäus sagt hier: Am Abend des Sabbats. Was bedeutet dann jenes bei Markus: Sehr früh am Morgen, am ersten Tag der Woche? (Markus 16,2.) Wahrlich, Matthäus bezeichnet, indem er den ersten Teil der Nacht, nämlich den Abend, nennt, die ganze Nacht, an deren Ende sie zum Grab kommen. Da aber der Sabbat sie hinderte, dies vorher zu tun, bezeichnet er die ganze Nacht durch ihren frühesten Teil, in dem es ihnen erlaubt wurde, zu tun, was sie während eines Teils der Nacht zu tun beabsichtigten. So ist „Am Abend des Sabbats“ genau dasselbe, als hätte er gesagt: In der Nacht des Sabbats, d. h. der Nacht, die auf den Tag des Sabbats folgt, was durch die folgenden Worte hinreichend bewiesen wird: Als es gegen den ersten Tag der Woche zu dämmern begann. Dies könnte nicht sein, wenn wir nur den ersten Teil der Nacht, ihren Anfang, mit dem Wort „Abend“ verstehen wollten. Denn der Abend oder Anfang der Nacht beginnt nicht gegen den ersten Tag der Woche zu dämmern, sondern nur die Nacht, die durch die Morgendämmerung beendet wird. Und dies ist die übliche Sprechweise in der Heiligen Schrift, das Ganze durch einen Teil auszudrücken. Mit „Abend“ deutete er also die Nacht an, an deren Ende sie zum Grab kamen.