
Hilarius von Poitiers
Catena Aurea · Matthäusevangelium 27
57 Als es Abend geworden war, kam ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef, der auch ein Jünger Jesu geworden war. 58 Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, ihn ihm zu überlassen. 59 Josef nahm den Leichnam, hüllte ihn in reine Leinwand 60 und legte ihn in sein neues Grab, das er in den Felsen hatte hauen lassen. Dann wälzte er einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg. 61 Es waren aber auch Maria aus Magdala und die andere Maria dort; sie saßen dem Grab gegenüber.
Mystisch gesehen bietet Josef ein Bild der Apostel. Er wickelt den Leib in ein reines Leinentuch, in welches dasselbe Leinentuch alle Arten von lebenden Geschöpfen vom Himmel zu Petrus herabgelassen wurden; woraus wir verstehen, dass unter der Darstellung dieses Leinentuchs die Kirche mit Christus begraben wird. Der Leib des Herrn aber wird in eine Kammer gelegt, die aus Fels gehauen, leer und neu ist; das heißt, durch die Lehre der Apostel wird Christus in die harte Brust der Heiden gebracht, die durch die Mühe der Lehre ausgehauen, roh und neu ist, bisher von keiner Gottesfurcht durchdrungen. Und weil außer ihm nichts in unsere Herzen eingehen soll, wird ein Stein vor den Eingang gewälzt, damit, wie wir vor ihm keinen Urheber göttlicher Erkenntnis empfangen hatten, wir so nach ihm keinen zulassen.