
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 27
39 Die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf 40 und sagten: Der du den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen willst, rette dich selbst, wenn du der Sohn Gottes bist, und steig herab vom Kreuz! 41 Ähnlich spotteten auch die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und Ältesten 42 und sagten: Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Er ist doch der König von Israel! Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, dann wollen wir an ihn glauben. 43 Er hat auf Gott vertraut; der soll ihn jetzt retten, wenn er Gefallen an ihm hat. Er hat ja gesagt: Ich bin Gottes Sohn. 44 Ebenso schmähten ihn aber auch die Räuber, die zusammen mit ihm gekreuzigt worden waren.
(de Cons. Ev. iii. 16.) Es könnte scheinen, dass Lukas dem widerspricht, wenn er einen der Räuber beschreibt, wie er ihn schmähte und deshalb von dem anderen zurechtgewiesen wurde. Aber wir können annehmen, dass Matthäus, indem er kurz auf den Umstand anspielt, den Plural für den Singular verwendet hat, wie wir im Brief an die Hebräer lesen: Sie haben den Rachen der Löwen gestopft, (Hebr 11,33) wo doch nur von Daniel die Rede ist. Und welche Redeweise ist gebräuchlicher, als dass einer sagt: Siehe, die Landleute beschimpfen mich, wenn es nur einer getan hat. Wenn Matthäus allerdings gesagt hätte, dass beide Schächer den Herrn geschmäht hätten, gäbe es eine gewisse Unstimmigkeit; wenn er aber nur sagt: Die Schächer, ohne hinzuzufügen ‚beide‘, müssen wir es als jene gebräuchliche Redeweise betrachten, in der der Singular durch den Plural bezeichnet wird.