
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 27
15 An jenem Fest pflegte der Statthalter dem Volk einen Gefangenen freizugeben, den es wollte. 16 Nun hatte man damals einen berüchtigten Gefangenen namens Barabbas. 17 Pilatus fragte die versammelte Menge: Wen soll ich euch freigeben, Barabbas oder Jesus, den man den Messias nennt? 18 Er wusste nämlich, dass sie ihn aus Neid ausgeliefert hatten. 19 Während er aber auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: Tue diesem Gerechten nichts an; denn ich habe heute im Traum seinetwegen viel gelitten. 20 Die Hohenpriester und Ältesten aber hetzten die Massen auf, Barabbas zu fordern, Jesus aber dem Tod preiszugeben. 21 Da nahm der Statthalter das Wort und sagte zu ihnen: Welchen von beiden soll ich euch freigeben? Da riefen sie: Barabbas! 22 Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt? Da schrien alle: Er soll gekreuzigt werden! 23 Er entgegnete: Was hat er denn Böses getan? Da schrien sie noch lauter: Er soll gekreuzigt werden! 24 Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult nur noch größer wurde, nahm er Wasser, wusch sich vor dem Volk die Hände und sagte: Ich bin unschuldig an diesem Blut. Seht ihr zu! 25 Da rief das ganze Volk: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! 26 Darauf gab er ihnen Barabbas frei. Jesus aber ließ er geißeln und übergab ihn zur Kreuzigung.
Wen wollt ihr, dass ich euch freilasse? usw. Das heißt so viel wie: Wenn ihr ihn nicht als Unschuldigen freilassen wollt, so gebt ihn wenigstens als Verurteilten diesem heiligen Tag preis. Denn wenn ihr einen freilassen wolltet, an dessen Schuld kein Zweifel war, um wie viel mehr solltet ihr es in zweifelhaften Fällen tun. Beachte, wie die Umstände verkehrt sind. Es ist das Volk, das für die Verurteilten zu bitten pflegt, und der Fürst, der gewährt, aber hier ist es umgekehrt: der Fürst bittet das Volk und macht es dadurch noch gewalttätiger.