Pseudo-Augustinus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 27
1 Als es Morgen wurde, fassten alle Hohenpriester und Ältesten des Volkes den Beschluss, Jesus zu töten. 2 Sie ließen ihn fesseln, abführen und übergaben ihn dem Statthalter Pilatus. 3 Als nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er verurteilt war, ergriff ihn Reue. Er brachte die dreißig Silberstücke den Hohenpriestern und Ältesten zurück 4 und sagte: Ich habe gesündigt; denn ich habe unschuldiges Blut verraten. Sie aber sagten: Was geht das uns an? Sieh du zu! 5 Da warf er die Silberstücke in den Tempel, ging fort und erhängte sich.
(Hil. Quæst. V. et N. Test. q. 94.) Da die Hohenpriester vom Morgen bis zur neunten Stunde mit dem Mord des Herrn beschäftigt waren, wie wird dann bewiesen, dass vor der Kreuzigung Judas ihnen das Geld zurückgab, das er empfangen hatte, und im Tempel zu ihnen sagte: Ich habe gesündigt, indem ich unschuldiges Blut verraten habe? Während es doch offenkundig ist, dass die Hohenpriester und Ältesten niemals vor der Kreuzigung des Herrn im Tempel waren, da sie ja, als Er am Kreuz hing, dort waren, um Ihn zu verspotten. Noch kann dies daraus bewiesen werden, dass es vor dem Leiden des Herrn erzählt wird, denn viele Dinge, die offensichtlich vorher geschahen, werden nachher erzählt, und umgekehrt. Es könnte nach der neunten Stunde geschehen sein, als Judas, der den Heiland tot sah und den Vorhang des Tempels zerrissen, das Erdbeben, das Bersten der Felsen und die erschreckten Elemente, von Furcht und Schmerz darüber ergriffen wurde. Aber nach der neunten Stunde waren die Hohenpriester und Ältesten, wie ich annehme, mit der Feier des Pascha beschäftigt; und am Sabbat hätte das Gesetz ihm nicht erlaubt, Geld zu bringen. Daher ist mir bis jetzt nicht bewiesen, an welchem Tag oder zu welcher Stunde Judas sein Leben durch Erhängen beendete.