Origenes
Catena Aurea · Matthäusevangelium 27
1 Als es Morgen wurde, fassten alle Hohenpriester und Ältesten des Volkes den Beschluss, Jesus zu töten. 2 Sie ließen ihn fesseln, abführen und übergaben ihn dem Statthalter Pilatus. 3 Als nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er verurteilt war, ergriff ihn Reue. Er brachte die dreißig Silberstücke den Hohenpriestern und Ältesten zurück 4 und sagte: Ich habe gesündigt; denn ich habe unschuldiges Blut verraten. Sie aber sagten: Was geht das uns an? Sieh du zu! 5 Da warf er die Silberstücke in den Tempel, ging fort und erhängte sich.
Aber wenn der Teufel jemanden verlässt, wacht er auf seine Zeit zur Rückkehr, und wenn er sie ergriffen hat, führt er ihn in eine zweite Sünde, und dann wacht er auf eine Gelegenheit zu einer dritten Täuschung. (1 Kor 5,1.) So bereute der Mann, der die Frau seines Vaters geheiratet hatte, später diese Sünde, aber wieder beschloss der Teufel, gerade diese Trauer der Buße so zu vermehren, dass seine Trauer übermäßig groß würde und den Trauernden verschlingen könnte. Etwas Ähnliches geschah bei Judas, der nach seiner Buße sein eigenes Herz nicht bewahrte, sondern jene übermäßige Trauer annahm, die ihm vom Teufel eingegeben wurde, der ihn verschlingen wollte, wie es folgt: Und er ging hinaus und erhängte sich. Hätte er aber Ort und Zeit zur Buße gesucht und erwartet, hätte er vielleicht den gefunden, der gesagt hat: Ich habe kein Gefallen am Tod des Gottlosen. (Ez 33,11.) Oder vielleicht wünschte er, vor seinem Meister auf dessen Todesweg zu sterben und ihm mit einem körperlosen Geist zu begegnen, um durch Bekenntnis und Fürbitte Erbarmen zu erlangen; und er sah nicht, dass es sich nicht ziemt, dass ein Diener Gottes sich selbst aus dem Leben entfernt, sondern auf Gottes Urteil warten soll.