
Leo der Große
Catena Aurea · Matthäusevangelium 27
1 Als es Morgen wurde, fassten alle Hohenpriester und Ältesten des Volkes den Beschluss, Jesus zu töten. 2 Sie ließen ihn fesseln, abführen und übergaben ihn dem Statthalter Pilatus. 3 Als nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er verurteilt war, ergriff ihn Reue. Er brachte die dreißig Silberstücke den Hohenpriestern und Ältesten zurück 4 und sagte: Ich habe gesündigt; denn ich habe unschuldiges Blut verraten. Sie aber sagten: Was geht das uns an? Sieh du zu! 5 Da warf er die Silberstücke in den Tempel, ging fort und erhängte sich.
(Serm. 52, 5.) Wenn er sagt: Ich habe gesündigt, indem ich unschuldiges Blut verraten habe, verharrt er in seinem bösen Verrat, da er in den letzten Todeskämpfen nicht glaubte, dass Jesus der Sohn Gottes sei, sondern nur ein Mensch unseres Standes; denn hätte er nicht so seine Allmacht verleugnet, hätte er sein Erbarmen erlangt.