Origenes
Catena Aurea · Matthäusevangelium 27
1 Als es Morgen wurde, fassten alle Hohenpriester und Ältesten des Volkes den Beschluss, Jesus zu töten. 2 Sie ließen ihn fesseln, abführen und übergaben ihn dem Statthalter Pilatus. 3 Als nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er verurteilt war, ergriff ihn Reue. Er brachte die dreißig Silberstücke den Hohenpriestern und Ältesten zurück 4 und sagte: Ich habe gesündigt; denn ich habe unschuldiges Blut verraten. Sie aber sagten: Was geht das uns an? Sieh du zu! 5 Da warf er die Silberstücke in den Tempel, ging fort und erhängte sich.
Mögen die Verfechter jener Fabeln über von Natur aus böse Wesen mir hier antworten, woher Judas zur Erkenntnis seiner Sünde kam: Ich habe gesündigt, indem ich unschuldiges Blut verraten habe, wenn nicht durch den ursprünglich ihm eingepflanzten guten Sinn und jenen Samen der Tugend, der in jede vernünftige Seele gesät ist? Aber Judas pflegte dies nicht, und so fiel er in diese Sünde. Wenn aber jemals ein Mensch von einer Natur gemacht wurde, die dem Verderben geweiht war, so war Judas noch mehr von solcher Natur. Wenn er dies freilich nach der Auferstehung Christi getan hätte, könnte man sagen, dass die Kraft der Auferstehung ihn zur Buße brachte. Aber er bereute, als er sah, dass Christus dem Pilatus übergeben wurde, vielleicht weil er sich an die Dinge erinnerte, die Jesus so oft über seine Auferstehung gesprochen hatte. (Joh 13,27.) Oder vielleicht blieb Satan, der in ihn eingefahren war, bei ihm, bis Jesus dem Pilatus übergeben wurde, und dann, nachdem er sein Ziel erreicht hatte, verließ er ihn; daraufhin bereute er. Aber wie konnte Judas wissen, dass er verurteilt war, da er noch nicht von Pilatus verhört worden war? Man könnte vielleicht sagen, dass er das Ereignis in seinem eigenen Geist von Anfang an vorausahnte, als er sah, dass er übergeben wurde. Ein anderer kann die Worte, als er sah, dass er verurteilt war, auf Judas selbst beziehen, dass er damals seinen bösen Zustand erkannte und sah, dass er selbst verurteilt war.