
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 26
59 Die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten eine falsche Zeugenaussage gegen Jesus, um ihn zum Tod verurteilen zu können, 60 fanden aber nichts, obwohl viele falsche Zeugen auftraten. Schließlich traten zwei auf 61 und behaupteten: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen. 62 Da erhob sich der Hohepriester und sagte zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich aussagen? 63 Jesus aber schwieg. Da sagte der Hohepriester zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns: Bist du der Messias, der Sohn Gottes? 64 Jesus antwortete ihm: Du hast es gesagt. Ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen. 65 Da zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief: Er hat gelästert! Was brauchen wir noch Zeugen? Jetzt habt ihr die Lästerung gehört. 66 Was ist euere Meinung? Sie antworteten: Er ist des Todes schuldig. 67 Da spien sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn. Andere gaben ihm Ohrfeigen 68 und riefen: Weissage uns, Messias: Wer hat dich geschlagen?
Dann, nachdem er sein Gewand zerrissen hatte, fällte er nicht selbst das Urteil, sondern fragte die anderen und sprach: Was meint ihr? Wie es immer in unbestreitbaren Fällen von Sünde und offenkundiger Gotteslästerung geschah, und indem er sie gleichsam mit Gewalt zu einer bestimmten Meinung drängte, nimmt er die Antwort vorweg: Was bedürfen wir noch weiterer Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehört. Was war diese Gotteslästerung? Denn zuvor hatte er ihnen, als sie versammelt waren, jenen Text ausgelegt: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, (Matthäus 22,44.) und sie hatten geschwiegen und ihm nicht widersprochen. Wie nennen sie dann das, was er jetzt sagt, Gotteslästerung? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig, dieselben Personen zugleich Ankläger, Untersuchungsrichter und Urteilssprecher.