Remigius von Auxerre
Catena Aurea · Matthäusevangelium 26
30 Nach dem Lobgesang gingen sie hinaus zum Ölberg. 31 Da sagte Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr alle an mir Anstoß nehmen; denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen. 32 Wenn ich aber auferweckt worden bin, werde ich euch nach Galiläa vorangehen. 33 Da antwortete ihm Petrus: Wenn alle an dir Anstoß nehmen, ich werde niemals Anstoß nehmen! 34 Jesus sagte zu ihm: Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 35 Petrus aber erwiderte ihm: Und wenn ich mit dir sterben müsste, ich werde dich niemals verleugnen. Ähnlich sprachen auch alle (anderen) Jünger.
Was der Eine durch Seine Macht des Vorherwissens versichert, leugnet der andere aus Liebe; woraus wir eine praktische Lehre ziehen können, dass wir, je mehr wir uns der Wärme unseres Glaubens sicher sind, umso mehr die Schwäche unseres Fleisches fürchten sollten. Petrus scheint schuldig, erstens weil er den Worten des Herrn widersprach; zweitens weil er sich über die anderen stellte; und drittens weil er alles sich selbst zuschrieb, als hätte er die Kraft, standhaft zu verharren. Sein Fall wurde dann zugelassen, um dies in ihm zu heilen; nicht dass er zur Verleugnung getrieben wurde, sondern sich selbst überlassen und so von der Gebrechlichkeit seiner menschlichen Natur überzeugt.