Origenes
Catena Aurea · Matthäusevangelium 26
20 Als es Abend geworden war, legte er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. 21 Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten. 22 Da wurden sie sehr traurig und begannen, einer nach dem anderen, ihn zu fragen: Ich bin es doch nicht, Herr? 23 Er aber antwortete: Der mit mir die Hand in die Schüssel getaucht hat wird mich verraten. 24 Zwar geht der Menschensohn dahin, wie von ihm geschrieben steht. Weh aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Besser wäre es für ihn, wenn er nie geboren wäre. 25 Da entgegnete Judas, der ihn verriet: Ich bin es doch nicht, Rabbi? Er sagte zu ihm: Du sagst es.
Oder er sprach allgemein, um die Natur jedes ihrer Herzen zu prüfen und die Bosheit des Judas zu erweisen, der nicht an einen glauben wollte, der sein Herz kannte. Ich nehme an, dass er zunächst annahm, die Sache sei vor ihm verborgen, indem er ihn für einen Menschen hielt, was Unglaube war; als er aber sah, dass sein Herz bekannt war, ergriff er die durch diese allgemeine Redeweise gebotene Verhüllung, was Schamlosigkeit war. Dies zeigt auch die Güte der Jünger, dass sie den Worten Christi mehr glaubten als ihrem eigenen Gewissen, denn sie begannen jeder zu sagen: Herr, bin ich es? Denn sie wussten durch das, was Jesus sie gelehrt hatte, dass die menschliche Natur leicht zum Bösen geneigt ist und in ständigem Kampf mit den Mächten der Finsternis dieser Welt steht (Eph. 6,12); daher fragen sie wie in Furcht, denn wegen unserer Schwäche ist die Zukunft für uns ein Gegenstand des Schreckens. Als der Herr sah, dass die Jünger so um sich selbst besorgt waren, bezeichnete er den Verräter durch das Zeichen der prophetischen Erklärung: Der mein Brot aß, hat mich schändlich verraten. (Ps. 41,9.)