Remigius von Auxerre
Catena Aurea · Matthäusevangelium 26
6 Als Jesus in Betanien war, im Hause Simons des Aussätzigen, 7 kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll kostbarem Salböl zu ihm und goss es über sein Haar, während er zu Tisch lag. 8 Als die Jünger das sahen, wurden sie ärgerlich und sagten: Wozu diese Verschwendung? 9 Das hätte man teuer verkaufen und den Erlös den Armen geben können. 10 Als Jesus das merkte, sagte er zu ihnen: Was kränkt ihr die Frau? Sie hat doch eine gute Tat an mir getan. 11 Denn Arme habt ihr ja allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. 12 Als sie dieses Salböl über meinen Leib goss, hat sie es für mein Begräbnis getan. 13 Amen, ich sage euch: Wo immer auf der ganzen Welt dieses Evangelium verkündet wird, da wird auch zu ihrem Gedächtnis erzählt werden, was sie getan hat.
Oder es ist so zu erklären, dass man annimmt, dies sei nur zu Judas gesagt worden; und er sagte nicht: Ihr habt nicht, sondern: Ihr werdet nicht haben, weil dies in der Person des Judas zu allen seinen Nachfolgern gesprochen wurde. Und er sagt: Nicht allezeit, obwohl sie es zu keiner Zeit haben, weil die Gottlosen in dieser gegenwärtigen Welt Christus zu haben scheinen, während sie sich unter seine Glieder mischen und sich seinem Tisch nahen, aber sie werden ihn nicht allezeit so haben, wenn er zu seinen Auserwählten sagen wird: Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters. (Mt 25,34.) Es war bei diesem Volk Brauch, die Leiber der Toten mit verschiedenen Gewürzen einzubalsamieren, damit sie möglichst lange vor Verwesung bewahrt blieben. Und da diese Frau den toten Leib des Herrn einbalsamieren wollte und es nicht konnte, weil sie von seiner Auferstehung überholt würde, wurde es daher durch göttliche Vorsehung so gefügt, dass sie den lebenden Leib des Herrn salbte. Das also ist es, was er sagt: Indem sie dies goss, das heißt: Indem sie meinen lebenden Leib salbte, verkündet sie meinen Tod und mein Begräbnis.