
Hilarius von Poitiers
Catena Aurea · Matthäusevangelium 24
15 Wenn ihr also den Gräuel der Verwüstung, von dem der Prophet Daniel spricht, an heiliger Stätte stehen seht -- wer es liest, bedenke es wohl! --, 16 dann fliehe in die Berge, wer in Judäa ist. 17 Wer sich gerade auf dem Dach befindet, steige nicht hinab, seine Sachen aus dem Haus zu holen 18 und wer auf dem Feld ist, kehre nicht zurück, seinen Mantel zu holen. 19 Weh aber den Schwangeren und Stillenden in jenen Tagen! 20 Betet, dass euere Flucht nicht in den Winter oder auf einen Sabbat fällt. 21 Denn dann wird eine große Bedrängnis kommen, wie von Anfang der Welt bis jetzt noch keine gewesen ist und auch nicht mehr sein wird. 22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, dann würde kein Mensch gerettet. Aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.
Oder anders; Es ist ein Zeichen Seines zukünftigen Kommens, das der Herr gibt, wenn Er sagt: „Wenn ihr den Gräuel sehen werdet.“ Denn der Prophet sprach dies von den Zeiten des Antichrist; und er nennt das einen Gräuel, was gegen Gott auftritt und sich selbst die Ehre Gottes anmaßt. Es ist der Gräuel der Verwüstung, weil er die Erde mit Kriegen und Gemetzel verwüsten wird; und er wird von den Juden angenommen und an heiliger Stätte aufgestellt, damit dort, wo Gott durch die Gebete der Heiligen angerufen wurde, an eben derselben Stätte, von den Ungläubigen angenommen, mit der Anbetung Gottes verehrt werde. Und weil dieser Irrtum den Juden eigen sein wird, dass sie, nachdem sie die Wahrheit verworfen haben, eine Lüge annehmen, warnt Er sie, Judäa zu verlassen und in die Berge zu fliehen, damit keine Befleckung oder Ansteckung durch Vermischung mit einem Volk gesammelt werde, das an den Antichrist glauben sollte. Dass Er sagt: „Wer auf dem Dach ist, steige nicht hinab, um etwas aus seinem Haus zu holen“, wird so verstanden. Das Dach ist der höchste Teil des Hauses, der Gipfel und die Vollkommenheit des ganzen Gebäudes. Der also, der auf der Spitze seines Hauses steht, d. h. in der Vollkommenheit seines Herzens, hoch in der Wiedergeburt eines neuen Geistes, soll nicht zu den niederen Begierden der Dinge der Welt hinabsteigen. „Und wer auf dem Feld ist, kehre nicht zurück, um seinen Mantel zu holen“; d. h. wer zum Gehorsam gegen das Gebot gelangt ist, soll nicht zu seinen früheren Sorgen zurückkehren, um wieder den Mantel seiner früheren Sünden anzunehmen, in den er einst gekleidet war.