Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 21
28 Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er wandte sich an den ersten und sagte: Mein Sohn, geh, arbeite heute im Weinberg! 29 Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. 30 Da wandte er sich an den zweiten und sprach ebenso. Der aber antwortete: Ich will nicht. Später aber besann er sich und ging doch. 31 Wer von den beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sagten: Der Letztere. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen kommen eher in das Reich Gottes als ihr. 32 Denn Johannes ist zu euch gekommen mit dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Zöllner und die Dirnen aber haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und habt euch auch später nicht bekehrt und ihm nicht geglaubt.
Oder weil sein ehrwürdiger Wandel die Herzen der Sünder traf, wie es folgt: Aber die Zöllner und Dirnen glaubten ihm. Beachte, wie das gute Leben des Predigers seiner Predigt Nachdruck verleiht, so dass es ungezähmte Herzen bezwingt. Und ihr, als ihr es gesehen hattet, bereutet nicht danach, so dass ihr ihm geglaubt hättet; das heißt so viel wie: Sie haben das Größere getan, indem sie an ihn glaubten; ihr habt nicht einmal bereut, was das Geringere ist. Aber in dieser Auslegung, die wir nach dem Sinn vieler Ausleger dargelegt haben, scheint mir etwas Widersprüchliches zu liegen. Denn wenn unter den zwei Söhnen die Juden und Heiden zu verstehen sind, so hätte Christus, sobald die Priester geantwortet hatten, dass der erste Sohn den Willen seines Vaters tat, sein Gleichnis mit den Worten beschließen müssen: Wahrlich, ich sage euch, dass die Heiden vor euch in das Reich Gottes eingehen werden. Aber Er sagt: Die Zöllner und Dirnen, eine Klasse eher von Juden als von Heiden. Es sei denn, dies ist so zu verstehen, wie oben gesagt wurde: So viel mehr gefällt das heidnische Volk Gott als ihr, dass sogar die Zöllner und Dirnen ihm annehmbarer sind als ihr.