Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 19
27 Da antwortete ihm Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was wird uns also zuteil werden? 28 Jesus entgegnete ihnen: Amen, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Neuerschaffung der Welt, wenn sich der Menschensohn auf den Thron seiner Herrlichkeit setzt, ebenfalls auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. 29 Und jeder, der Häuser, Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker um meines Namens willen verlassen hat, wird es hundertfach wieder empfangen und das ewige Leben gewinnen. 30 Viele aber, die (jetzt) die Ersten sind, werden die Letzten sein und die Letzten die Ersten.
Oder: Mit „in der Wiedergeburt“ bezeichnet Christus die Zeit des Christentums, die nach seiner Himmelfahrt sein sollte, in der die Menschen durch die Taufe wiedergeboren wurden; und das ist die Zeit, in der Christus auf dem Thron seiner Herrlichkeit saß. Und hieraus könnt ihr ersehen, dass er nicht von der Zeit des zukünftigen Gerichts sprach, sondern von der Berufung der Heiden, indem er nicht sagte: „Wenn der Menschensohn kommen wird und auf dem Thron seiner Majestät sitzen wird“, sondern nur: „in der Wiedergeburt, wenn er sitzen wird“, was von der Zeit an geschah, als die Heiden begannen, an Christus zu glauben; gemäß dem Wort: „Gott wird über die Heiden herrschen; Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.“ (Ps. 47,8.) Von jener Zeit an haben auch die Apostel auf zwölf Thronen gesessen, das heißt über alle Christen; denn jeder Christ, der das Wort des Petrus aufnimmt, wird zum Thron des Petrus, und so auch bei den übrigen Aposteln. Auf diesen Thronen also sitzen die Apostel, aufgeteilt in zwölf Abteilungen, nach der Verschiedenheit der Gemüter und Herzen, die allein Gott bekannt ist. Denn wie das jüdische Volk in zwölf Stämme geteilt war, so ist das ganze christliche Volk in zwölf geteilt, so dass einige Seelen dem Stamm Ruben zugezählt werden, und so weiter, nach ihren verschiedenen Eigenschaften. Denn nicht alle haben alle Gnadengaben in gleicher Weise; einer ist in diesem, ein anderer in jenem vortrefflich. Und so werden die Apostel die zwölf Stämme Israels richten, das heißt alle Juden, dadurch, dass die Heiden das Wort der Apostel annahmen. Der ganze Leib der Christen sind zwar zwölf Throne für die Apostel, aber ein Thron für Christus. Denn alle Vortrefflichkeiten sind nur ein Thron für Christus, denn er allein ist in allen Tugenden gleichermaßen vollkommen. Aber von den Aposteln ist jeder in irgendeiner besonderen Vortrefflichkeit vollkommener, wie Petrus im Glauben; so ruht Petrus auf seinem Glauben, Johannes auf seiner Unschuld, und so bei den übrigen. Und dass Christus von einem Lohn sprach, der den Aposteln in dieser Welt gegeben werden soll, zeigt das Folgende: „Und jeder, der Häuser oder Brüder oder Schwestern verlassen hat“ usw. Denn wenn diese schon in diesem Leben hundertfach empfangen sollen, so wurde ohne Zweifel auch den Aposteln ein Lohn im gegenwärtigen Leben verheißen.