Remigius von Auxerre
Catena Aurea · Matthäusevangelium 19
16 Es kam ein Mann zu ihm und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu erlangen? 17 Er antwortete ihm: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur Einer ist der Gute. Willst du aber das Leben erlangen, so halte die Gebote. 18 Da fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst kein falsches Zeugnis ablegen; 19 ehre Vater und Mutter; und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 20 Der junge Mann erwiderte ihm: Das alles habe ich befolgt, was fehlt mir noch? 21 Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach. 22 Als der junge Mann das hörte, ging er traurig davon; denn er hatte viele Güter.
Und Jesus, der sich zu einem Schwachen herabließ, legte ihm höchst gnädig die Vorschriften des Gesetzes dar; Jesus sprach: Du sollst nicht töten; und auf alle diese Gebote folgt die Erklärung: Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Denn der Apostel sagt: Wer seinen Nächsten liebt, hat das Gesetz erfüllt? (Prov. 13:10.) Es ist jedoch zu fragen, warum der Herr nur die Gebote der Zweiten Tafel aufgezählt hat? Vielleicht weil dieser junge Mann in der Liebe zu Gott eifrig war, oder weil die Liebe zum Nächsten die Stufe ist, auf der wir zur Liebe Gottes aufsteigen.