
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 19
10 Da sagten die Jünger zu ihm: Wenn die Sache des Mannes gegenüber der Frau so steht, dann ist es nicht gut zu heiraten. 11 Er sagte zu ihnen: Nicht alle fassen dieses Wort, sondern nur die, denen es gegeben ist. 12 Denn es gibt Verschnittene, die vom Mutterleib an so geboren sind, und es gibt Verschnittene, die von den Menschen verschnitten wurden, und es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Himmelreichs willen. Wer es fassen kann, der fasse es!
(vgl. Orig. in loc.) Oder wir können es anders sagen. Die Eunuchen aus dem Mutterleib sind jene, deren Natur kälter und nicht zur Lust geneigt ist. Und die von Menschen so Gemachten sind jene, die Ärzte so gemacht haben, oder die der Götzendienst verweichlicht hat, oder die aus dem Einfluss häretischer Lehre Keuschheit vortäuschen, um daraufhin für ihre Lehren Wahrheit zu beanspruchen. Aber keiner von ihnen erlangt das Himmelreich, außer allein der, welcher um Christi willen ein Eunuch geworden ist. Daher folgt: Wer es fassen kann, der fasse es; jeder berechne seine eigene Kraft, ob er die Regeln der Jungfräulichkeit und Enthaltsamkeit erfüllen kann. Denn an sich ist die Enthaltsamkeit süß und verlockend, aber jeder muss seine Kraft bedenken, dass nur der, welcher fähig ist, es fasse. Dies ist die Stimme des Herrn, der seine Soldaten zum Lohn der Keuschheit ermahnt und anspornt, dass, wer kämpfen kann, kämpfe und siege und triumphiere.