
Gregor der Große
Catena Aurea · Matthäusevangelium 18
1 In jener Stunde kamen die Jünger mit der Frage zu Jesus: Wer ist der Größte im Himmelreich? 2 Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte 3 und sagte: Amen, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. 4 Wer sich so klein macht wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich. 5 Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf. 6 Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zur Sünde verführt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.
(Mor. vi. 37.) Oder anders; Was wird durch das Meer bezeichnet, wenn nicht die Welt, und was durch den Mühlstein, wenn nicht das irdische Handeln? Wenn dieser den Hals ins Joch eitler Begierden bindet, schickt er ihn in eine stumpfe Runde der Mühsal. Es gibt einige, die das irdische Handeln verlassen und sich Zielen der Betrachtung verschreiben, die über die Reichweite des Verstandes hinausgehen, wobei sie die Demut ablegen und so nicht nur selbst in Irrtum geraten, sondern auch viele Schwache aus dem Schoß der Wahrheit werfen. Wer also einem der Geringsten von mir Ärgernis gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gebunden und er ins Meer geworfen würde; das heißt, es wäre besser für ein verkehrtes Herz, ganz mit weltlichen Geschäften beschäftigt zu sein, als Muße für betrachtende Studien zum Schaden vieler zu haben.