
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 14
22 Sofort nötigte er die Jünger, in das Boot zu steigen und ihm ans andere Ufer vorauszufahren, während er selbst die Scharen entließ. 23 Nachdem er die Volksscharen entlassen hatte, stieg er allein auf den Berg, um zu beten. Als es Abend geworden war, befand er sich dort allein. 24 Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen bedrängt; denn es hatte Gegenwind. 25 Um die vierte Nachtwache kam er auf sie zu; er ging auf dem See. 26 Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, entsetzten sie sich, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst auf. 27 Er aber redete sie sogleich an und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es. Fürchtet euch nicht! 28 Da antwortete ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. 29 Er sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über dem Wasser auf Jesus zu. 30 Als er aber den Wind bemerkte, fürchtete er sich und begann zu sinken. Er schrie: Herr, rette mich! 31 Sogleich streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? 32 Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. 33 Die Jünger im Boot aber fielen vor ihm nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.
Es ist zu beachten, dass der Herr, wenn Er ein großes Wunder wirkt, die Volksmenge entlässt und uns dadurch lehrt, niemals das Lob der Menge zu suchen noch sie an uns zu ziehen. Weiter lehrt Er uns, dass wir nicht immer mit Menschenmengen vermischt sein noch sie immer meiden sollen; sondern dass beides mit Nutzen geschehen kann; daher folgt: Und als er die Volksmenge entlassen hatte, stieg er auf einen Berg, um allein zu beten; und zeigt uns, dass die Einsamkeit gut ist, wenn wir zu Gott beten müssen. Denn dazu geht Er auch in die Wüste und verbringt dort die Nacht im Gebet, um uns zu lehren, dass wir für das Gebet Stille sowohl in der Zeit als auch am Ort suchen sollen.