
Gregor der Große
Catena Aurea · Matthäusevangelium 14
6 Als nun Herodes Geburtstag hatte, tanzte die Tochter der Herodias vor den Gästen und gefiel Herodes so gut, 7 dass er unter Eid versprach, ihr alles zu geben, was immer sie wünschte. 8 Sie aber sagte, angestiftet von ihrer Mutter: Gib mir hier auf einer Schüssel den Kopf Johannes des Täufers. 9 Da wurde der König betrübt, aber wegen seiner Schwüre und wegen der Gäste befahl er, ihn ihr zu geben. 10 Er sandte hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten. 11 Sein Kopf wurde auf einer Schüssel gebracht und dem Mädchen gegeben und sie brachte ihn ihrer Mutter. 12 Da kamen seine Jünger, holten den Leichnam und begruben ihn. Dann gingen sie zu Jesus und berichteten ihm davon.
(Mor. iii. 7.) Aber nicht ohne tiefstes Staunen bedenke ich, dass der, der im Mutterleib mit dem Geist der Weissagung erfüllt wurde, im Vergleich zu dem kein Größerer unter denen aufstand, die von Frauen geboren sind, von bösen Menschen ins Gefängnis geworfen und wegen des Tanzes eines Mädchens enthauptet wird, und dass ein Mann von so strengem Leben für das Vergnügen schändlicher Menschen stirbt. Sollen wir denken, dass in seinem Leben etwas war, das dieser so schändliche Tod hinwegwaschen sollte? Gott bedrängt sein Volk so in den geringsten Dingen, weil er sieht, wie er sie in den höchsten Dingen belohnen kann. Und daraus kann man entnehmen, was die leiden werden, die er verwirft, wenn er die, die er liebt, so peinigt.