
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 13
10 Da traten die Jünger an ihn heran und fragten ihn: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? 11 Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen, jenen aber ist es nicht gegeben. 12 Denn dem, der hat, wird gegeben, und er wird Überfluss haben. Wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat. 13 Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nichts verstehen. 14 An ihnen erfüllt sich die Weissagung Jesajas:Hören werdet ihr mit den Ohren und nichts verstehen. / Sehend werdet ihr sehen und nichts erkennen. / 15 Denn verstockt ist das Herz dieses Volkes.Schwer hören sie mit ihren Ohren / und ihre Augen haben sie geschlossen,damit sie nicht etwa sehen mit ihren Augen / und mit den Ohren nicht hörenund mit dem Herzen nicht verstehen / und sich bekehren und ich sie heile. 16 Selig aber sind euere Augen, weil sie sehen, und euere Ohren, weil sie hören. 17 Amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.
Mit diesen Worten deutet er keine Notwendigkeit oder Schicksal an, sondern zeigt sogleich, dass die, denen es nicht gegeben ist, selbst die Ursache all ihres Elends sind, und dass dennoch die Erkenntnis der göttlichen Geheimnisse eine Gabe Gottes und eine von oben gegebene Gnade ist. Doch dies zerstört nicht den freien Willen, wie aus dem Folgenden offenbar wird; denn um zu verhindern, dass entweder diese verzweifeln oder jene nachlässig werden, wenn sie hören, dass euch gegeben ist, zeigt er, dass der Anfang von allem bei uns selbst liegt, und dann fügt er hinzu: Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen werden, was er hat. Das heißt: Wer das Verlangen und den Eifer hat, dem wird all das gegeben, was von Gott ist; wer aber diese nicht hat und nicht den Teil beiträgt, der ihm zukommt, dem werden nicht nur die Dinge, die von Gott sind, nicht gegeben, sondern sogar das, was er hat, wird ihm genommen; nicht weil Gott es wegnimmt, sondern weil er sich selbst derer unwürdig gemacht hat, die er hat. Deshalb wollen auch wir, wenn wir jemanden nachlässig zuhören sehen und ihn ermahnt haben aufzumerken, er aber nicht auf uns hört, schweigen; denn wenn wir weiter drängen, wird ihm seine Trägheit umso mehr zur Last gelegt. Den aber, der eifrig ist zu lernen, ziehen wir weiter, indem wir vieles ausgießen. Und er sagte mit Recht nach einem anderen Evangelisten: Was er zu haben scheint; (Lukas 8,18) denn in Wahrheit hat er nicht einmal das, was er hat.