
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 12
31 Darum sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden, die Lästerung gegen den Geist aber wird nicht vergeben. 32 Auch dem, der ein Wort gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt.
(ubi sup.) Wenn dies aber so gesagt wäre, dann wäre jede andere Art von Lästerung ausgelassen, und nur die, die gegen den Menschensohn gesprochen wird, als wenn Er für bloß einen Menschen erklärt wird, wäre zu vergeben. Dass also gesagt wird: Jede Art von Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden, schließt ohne Zweifel die gegen den Vater gesprochene Lästerung in ihrer Weite ein; obwohl auch hier wieder allein die gegen den Heiligen Geist gesprochene als unvergebbar erklärt wird. Was also, hat auch der Vater die Gestalt eines Knechtes angenommen, dass der Heilige Geist so gleichsam als größer bezeichnet wird? Denn wer könnte nicht überführt werden, ein Wort gegen den Heiligen Geist gesprochen zu haben, bevor er Christ oder Katholik wurde? Erstens, die Heiden selbst, wenn sie sagen, dass Christus Wunder durch Zauberkünste gewirkt habe, sind sie nicht wie jene, die sagten, dass Er Dämonen durch den Fürsten der Dämonen austrieb? Ebenso sind die Juden und alle solche Häretiker, die den Heiligen Geist bekennen, aber leugnen, dass Er im Leib Christi, der katholischen Kirche, ist, wie die Pharisäer, die leugneten, dass der Heilige Geist in Christus war. Einige Häretiker behaupten sogar, dass der Heilige Geist selbst entweder ein Geschöpf sei, wie die Arianer, Eunomianer und Mazedonianer, oder leugnen Ihn zumindest so, dass sie die Dreifaltigkeit in der Gottheit leugnen; andere behaupten, dass allein der Vater Gott sei, und derselbe wird manchmal als der Sohn, manchmal als der Heilige Geist bezeichnet, wie die Sabellianer. Die Photinianer sagen auch, dass allein der Vater Gott sei und der Sohn nichts mehr als ein Mensch, und leugnen gänzlich, dass es eine dritte Person, den Heiligen Geist, gibt. Es ist also klar, dass der Heilige Geist sowohl von Heiden, Juden als auch Häretikern gelästert wird. Sind also alle solche ausgeschlossen und als ohne Hoffnung anzusehen? Denn wenn das Wort, das sie gegen den Heiligen Geist gesprochen haben, ihnen nicht vergeben wird, dann ist die Verheißung, die ihnen gemacht wurde, dass sie in der Taufe oder in der Kirche die Vergebung ihrer Sünden empfangen sollen, vergeblich. Denn es wird nicht gesagt: ‚Es wird ihm nicht in der Taufe vergeben‘; sondern: Weder in dieser Welt noch in der zukünftigen; und so sind allein die von der Schuld dieser schwersten Sünde frei zu denken, die von Kindheit an Katholiken waren. Einige wiederum denken, dass nur die gegen den Heiligen Geist sündigen, die nach der Waschung im Bad der Wiedergeburt in der Kirche später, gleichsam undankbar für eine solche Gabe des Erlösers, sich in eine Todsünde stürzen, wie Ehebruch, Mord oder das Ablegen des christlichen Namens oder der katholischen Kirche. Aber woher diese Bedeutung bewiesen werden kann, weiß ich nicht; da doch der Ort für die Buße von Sünden, wie groß auch immer, in der Kirche niemals verweigert wurde, und sogar die Häretiker vom Apostel ermahnt werden, sie anzunehmen. Ob Gott ihnen vielleicht die Umkehr schenkt zur Erkenntnis der Wahrheit. (2 Tim 2,25.) Schließlich sagt der Herr nicht: ‚Wenn irgendein katholischer Gläubiger‘, sondern: Wer ein Wort redet, das heißt, wer auch immer, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Welt noch in der zukünftigen.