
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 12
1 In jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Kornfelder. Seine Jünger aber hatten Hunger und machten sich daran, Ähren abzurupfen und zu essen. 2 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu ihm: Schau, deine Jünger tun, was am Sabbat zu tun nicht erlaubt ist. 3 Er aber sagte zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als er und seine Begleiter hungrig waren? 4 Wie er in das Haus Gottes ging und wie sie die Schaubrote aßen, die weder er noch seine Begleiter essen durften, sondern nur die Priester? 5 Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen, ohne sich schuldig zu machen? 6 Ich sage euch: Hier ist mehr als der Tempel. 7 Hättet ihr erkannt, was das heißt: Erbarmen will ich und nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt. 8 Denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.
Als hätte Er gesagt: Ihr erhebt Anklagen gegen meine Jünger, dass sie am Sabbat unter dem Druck des Hungers Ähren in ihren Händen reiben, und ihr selbst entweiht den Sabbat, indem ihr im Tempel Opfertiere tötet, Stiere schlachtet, Brandopfer auf Holzstößen verbrennt; auch, nach dem Zeugnis eines anderen Evangeliums (Joh. 7:23.), beschneidet ihr Kinder am Sabbat; sodass ihr, indem ihr ein Gesetz haltet, das den Sabbat betreffende brecht. Aber die Gesetze Gottes sind niemals einander entgegengesetzt; weise also zeigt Er, worin seine Jünger beschuldigt werden könnten, sie übertreten zu haben, dass sie darin den Beispielen Achimelechs und Davids folgten; und diese ihre vorgebliche Anklage des Sabbatbruchs weist Er wahrheitsgemäß und ohne dass sie die Entschuldigung der Notwendigkeit hätten, auf die zurück, die die Anklage erhoben hatten.