
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 11
28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch Ruhe verschaffen. 29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen und ihr werdet Ruhe finden für euere Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last leicht.
Und wie ist das Evangelium leichter als das Gesetz, da doch im Gesetz Mord und Ehebruch, aber unter dem Evangelium auch Zorn und Begierde bestraft werden? Weil durch das Gesetz vieles geboten wird, was, wie der Apostel uns vollständig lehrt, nicht erfüllt werden kann; durch das Gesetz werden Werke gefordert, durch das Evangelium wird der Wille gesucht, der, auch wenn er nicht zur Tat schreitet, doch seinen Lohn nicht verliert. Das Evangelium befiehlt, was wir tun können, wie dass wir nicht begehren; dies steht in unserer eigenen Macht; das Gesetz bestraft nicht den Willen, sondern die Tat, wie den Ehebruch. Angenommen, eine Jungfrau sei in Zeiten der Verfolgung vergewaltigt worden; da hier der Wille nicht vorhanden war, wird sie unter dem Evangelium als Jungfrau betrachtet; unter dem Gesetz wird sie als befleckt verstoßen.