
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 11
28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch Ruhe verschaffen. 29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen und ihr werdet Ruhe finden für euere Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last leicht.
(Serm. 70. 1.) So ertragen denn die, welche mit furchtlosem Nacken das Joch des Herrn auf sich genommen haben, solche Mühsale und Gefahren, dass sie scheinen, nicht von der Arbeit zur Ruhe, sondern von der Ruhe zur Arbeit gerufen zu werden. Aber der Heilige Geist war da, der, während der äußere Mensch verfiel, den inneren Menschen Tag für Tag erneuerte und, indem er einen Vorgeschmack der geistigen Ruhe in den reichen Freuden Gottes in der Hoffnung auf kommende Seligkeit gab, alles glättete, was rau schien, und alles erleichterte, was schwer war. Menschen erdulden Amputationen und Verbrennungen, damit sie um den Preis schärferen Schmerzes von weniger, aber länger andauernden Qualen, wie Geschwüren oder Schwellungen, befreit werden. Welche Stürme und Gefahren werden Kaufleute nicht auf sich nehmen, um vergänglichen Reichtum zu erwerben? Auch die, welche den Reichtum nicht lieben, ertragen dieselben Mühsale; aber die, welche ihn lieben, ertragen dieselben, doch für sie sind es keine Mühsale. Denn die Liebe macht das Rechte leicht und fast nichts, wie schrecklich und ungeheuerlich auch immer alle Dinge sind. Wie viel leichter tut also die Liebe das für das wahre Glück, was die Habgier für das Elend tut, soweit sie kann?