
Hilarius von Poitiers
Catena Aurea · Matthäusevangelium 11
16 Mit wem soll ich dieses Geschlecht vergleichen? Kindern gleicht es, die auf den Marktplätzen sitzen und den anderen zurufen: 17 Wir haben euch mit Flöten aufgespielt und ihr habt nicht getanzt! Wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt euch nicht an die Brust geschlagen! 18 Denn Johannes ist gekommen. Er aß nicht und trank nicht. Da sagen sie: Er hat einen Dämon. 19 Der Menschensohn ist gekommen. Er isst und trinkt. Da sagen sie: Seht den Schlemmer und Trinker, den Freund von Zöllnern und Sündern! Und doch empfing die Weisheit aus den von ihr bewirkten Taten ihre Rechtfertigung.
Mystisch: Auch die Predigt des Johannes beugte die Juden nicht, denen das Gesetz beschwerlich schien, da es Speisen und Getränke vorschrieb, schwierig und drückend, und Sünde in sich hatte, was Er einen Dämon nennt – denn aus der Schwierigkeit, es zu halten, mussten sie unter dem Gesetz sündigen. Ebenso gefiel ihnen auch nicht die Predigt des Evangeliums mit der Freiheit des Lebens in Christus – wodurch die Härten und Lasten des Gesetzes erlassen wurden, und nur Zöllner und Sünder glaubten daran. Da ihnen also so viele und so große Warnungen aller Art vergeblich angeboten wurden, werden sie weder durch das Gesetz gerechtfertigt, noch werden sie von der Gnade ausgeschlossen; die Weisheit also ist gerechtfertigt aus ihren Kindern, von denen nämlich, die das Himmelreich durch die Rechtfertigung des Glaubens ergreifen und das Werk der Weisheit als gerecht bekennen, dass sie ihre Gabe von den Widerspenstigen auf die Gläubigen übertragen hat.