
Leo der Große
Catena Aurea · Matthäusevangelium 1
1 Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams:
(Epist. 59. ad Const. Id. Ep. 83. ad Palest.) Wir sprechen von Christus nicht als Mensch in einer Weise, dass wir zuließen, dass ihm etwas fehlte, was gewiss zur menschlichen Natur gehört, sei es die Seele, der vernünftige Geist oder das Fleisch, und zwar Fleisch, wie es von der Frau genommen wurde, nicht durch eine Veränderung oder Verwandlung des Wortes in Fleisch erlangt. Diese drei verschiedenen Irrtümer hat die dreifach falsche Häresie der Apollinarier vorgebracht. Auch Eutyches wählte dieses dritte Dogma des Apollinaris, der die Wahrheit des menschlichen Leibes und der Seele leugnend behauptete, unser Herr Jesus Christus sei ganz und gar von einer Natur, als ob das göttliche Wort sich selbst in Fleisch und Seele verwandelt hätte und als ob die Empfängnis, Geburt, das Wachstum und dergleichen von jenem göttlichen Wesen durchgemacht worden wären, das zu solchen Veränderungen mit dem wahren und wirklichen Fleisch unfähig war; denn wie die Natur des Eingeborenen ist, so ist die Natur des Vaters und so ist die Natur des Heiligen Geistes, beide leidensunfähig und ewig. Wenn er aber, um nicht zu dem Schluss getrieben zu werden, dass die Gottheit Leiden und Tod empfinden könne, von der Verderbnis des Apollinaris abweicht und dennoch zu behaupten wagt, die Natur des fleischgewordenen Wortes, das heißt des Wortes und des Fleisches, sei dieselbe, so verfällt er offenkundig in die wahnsinnigen Vorstellungen des Manichäus und Marcion und glaubt, dass der Herr Jesus Christus alle seine Taten mit falschem Schein vollbracht habe, dass sein Leib kein menschlicher Leib, sondern ein Phantasma gewesen sei, das die Augen der Betrachter täuschte.