Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 9
1 Und er sagte zu ihnen: Amen, ich sage euch: Unter denen, die hier stehen, sind einige, die den Tod nicht kosten werden, bis sie das Reich Gottes in Macht haben kommen sehen. 2 Nach sechs Tagen nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, sie allein. Und er wurde vor ihnen verwandelt, 3 und seine Gewänder wurden ganz leuchtend weiß, wie sie kein Bleicher auf der Erde weiß machen kann. 4 Da erschien ihnen Elija mit Mose und sie redeten mit Jesus. 5 Petrus nahm das Wort und sagte zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elija eine. 6 Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte, denn sie waren von Schrecken ergriffen. 7 Dann kam eine Wolke und überschattete sie und eine Stimme kam aus der Wolke: Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören! 8 Als sie sich umblickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus allein.
(ubi sup.) Wenn die verklärte Menschheit Christi und die Gemeinschaft von nur zwei Heiligen, die einen Augenblick lang gesehen wurden, solches Wohlgefallen verleihen konnten, dass Petrus, selbst durch Dienst, ihren Weggang aufhalten wollte, wie groß wird dann das Glück sein, die Anschauung der Gottheit inmitten von Engelschören für immer zu genießen? Es folgt: Denn er wusste nicht, was er sagen sollte; obwohl jedoch Petrus aus der Betäubung menschlicher Schwachheit nicht wusste, was er sagen sollte, gibt er doch einen Beweis der Gefühle, die in ihm waren; denn der Grund dafür, dass er nicht wusste, was er sagen sollte, war sein Vergessen, dass das Reich den Heiligen vom Herrn nicht in irgendeiner irdischen Gegend, sondern im Himmel verheißen wurde; er bedachte nicht, dass er und seine Mitapostel noch vom sterblichen Fleisch umschlossen waren und den Zustand unsterblichen Lebens nicht ertragen konnten, zu dem seine Seele ihn bereits hingerissen hatte, weil wir im Haus unseres Vaters im Himmel keines mit Händen gemachten Hauses bedürfen. Aber wiederum wird er sogar bis zu dieser Zeit als unwissender Mensch hingestellt, der drei Hütten für das Gesetz, die Propheten und das Evangelium machen will, da sie in keiner Weise voneinander getrennt werden können.