Pseudo-Hieronymus
Catena Aurea · Markusevangelium 7
31 Nachdem er das Gebiet von Tyrus wieder verlassen hatte, kam er über Sidon an den See von Galiläa mitten in das Gebiet der Dekapolis. 32 Da brachten sie einen Taubstummen zu ihm und baten ihn, ihm die Hand aufzulegen. 33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite, legte ihm seine Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel, 34 blickte zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: Effata!, das heißt: Öffne dich! 35 Da öffneten sich seine Ohren und das Band seiner Zunge löste sich und er konnte richtig reden. 36 Er befahl ihnen, niemand davon zu erzählen. Je mehr er es ihnen aber befahl, desto mehr verkündeten sie es. 37 Sie waren außer sich vor Staunen und sagten: Gut hat er alles gemacht. Die Tauben macht er hören und die Stummen reden.
Ferner wird der, der Heilung erlangt, immer von unruhigen Gedanken, ungeordneten Handlungen und zusammenhanglosen Reden weggezogen. Und die Finger, die in die Ohren gelegt werden, sind die Worte und Gaben des Heiligen Geistes, von dem gesagt wird: „Dies ist der Finger Gottes.“ (Exod. 8,19) Der Speichel ist himmlische Weisheit, die die versiegelten Lippen des Menschengeschlechts löst, so dass es sagen kann: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater“, und das Übrige des Glaubensbekenntnisses. Und er blickte zum Himmel auf und seufzte (vgl. Mat. 12,20; Luk. 11,20), das heißt, Er lehrte uns zu seufzen und die Schätze unserer Herzen zum Himmel zu erheben; denn durch das Seufzen herzlicher Zerknirschung wird die törichte Freude des Fleisches ausgetrieben. Aber die Ohren werden geöffnet für Hymnen, Lieder und Psalmen; und Er löst die Zunge, damit sie das gute Wort hervorbringe, das weder Drohungen noch Schläge zurückhalten können.