Pseudo-Hieronymus
Catena Aurea · Markusevangelium 7
31 Nachdem er das Gebiet von Tyrus wieder verlassen hatte, kam er über Sidon an den See von Galiläa mitten in das Gebiet der Dekapolis. 32 Da brachten sie einen Taubstummen zu ihm und baten ihn, ihm die Hand aufzulegen. 33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite, legte ihm seine Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel, 34 blickte zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: Effata!, das heißt: Öffne dich! 35 Da öffneten sich seine Ohren und das Band seiner Zunge löste sich und er konnte richtig reden. 36 Er befahl ihnen, niemand davon zu erzählen. Je mehr er es ihnen aber befahl, desto mehr verkündeten sie es. 37 Sie waren außer sich vor Staunen und sagten: Gut hat er alles gemacht. Die Tauben macht er hören und die Stummen reden.
Mystisch wird Tyrus als Enge ausgelegt und bezeichnet Judäa, zu dem der Herr sagte (vgl. Jes. 28,20): „Denn das Bett ist zu eng geworden“, und von dem er sich zu den Heiden wendet. Sidon bedeutet ‚Jagd‘, denn unser Geschlecht ist wie ein ungezähmtes Tier, und ‚Meer‘, was eine wankelmütige Unbeständigkeit bedeutet. Wiederum kommt der Erlöser, um die Heiden mitten in den Grenzen der Dekapolis zu retten, was als die Gebote des Dekalogs ausgelegt werden kann. Ferner wird das Menschengeschlecht in seinen vielen Gliedern als ein Mensch gerechnet, verzehrt von wechselnder Pest, im erstgeschaffenen Menschen; es ist geblendet, das heißt, sein Auge ist böse; es wird taub, wenn es auf Böses hört, und stumm, wenn es Böses spricht. Und sie baten Ihn, seine Hand auf ihn zu legen, weil viele Gerechte und Patriarchen die Zeit wünschten und ersehnten, da der Herr im Fleische kommen sollte.