Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Markusevangelium 7
31 Nachdem er das Gebiet von Tyrus wieder verlassen hatte, kam er über Sidon an den See von Galiläa mitten in das Gebiet der Dekapolis. 32 Da brachten sie einen Taubstummen zu ihm und baten ihn, ihm die Hand aufzulegen. 33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite, legte ihm seine Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel, 34 blickte zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: Effata!, das heißt: Öffne dich! 35 Da öffneten sich seine Ohren und das Band seiner Zunge löste sich und er konnte richtig reden. 36 Er befahl ihnen, niemand davon zu erzählen. Je mehr er es ihnen aber befahl, desto mehr verkündeten sie es. 37 Sie waren außer sich vor Staunen und sagten: Gut hat er alles gemacht. Die Tauben macht er hören und die Stummen reden.
(Vict. Ant. e Cat. in Marc.) Er nimmt den tauben und stummen Mann, der zu Ihm gebracht wurde, beiseite von der Menge, damit Er seine göttlichen Wunder nicht öffentlich wirke; und lehrt uns, eitle Ruhmsucht und Herzensaufgeblasenheit abzulegen, denn niemand kann Wunder wirken wie Er, der die Demut liebt und in seinem Verhalten niedrig ist. Aber Er legt seine Finger in seine Ohren, obwohl Er ihn mit einem Wort hätte heilen können, um zu zeigen, dass sein Leib, da er mit der Gottheit vereint war, durch göttliche Kraft geheiligt war, mit allem, was Er tat. Denn da die menschliche Natur wegen der Übertretung Adams viel Leiden und Schaden an ihren Gliedern und Sinnen erlitten hatte, zeigte Christus, als Er in die Welt kam, die Vollkommenheit der menschlichen Natur in sich selbst, und deshalb öffnete Er Ohren mit seinen Fingern und gab die Kraft der Sprache durch seinen Speichel. Daher heißt es weiter: Und er spuckte und berührte seine Zunge.