Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 5
35 Während er noch redete, kamen Leute des Synagogenvorstehers und sagten: Deine Tochter ist gestorben. Was bemühst du den Meister noch? 36 Jesus aber, der aufgefangen hatte, was da gesprochen wurde, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht, glaube nur! 37 Und er ließ niemand mit sich gehen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. 38 So kamen sie zum Haus des Synagogenvorstehers und er nahm den Lärm wahr und wie sie weinten und laut wehklagten. 39 Nachdem er eingetreten war, sagte er zu ihnen: Was lärmt und weint ihr? Das Kind ist nicht tot, sondern es schläft. Da verlachten sie ihn. 40 Er aber wies alle hinaus, nahm des Kindes Vater und Mutter sowie seine Begleiter mit sich und ging in die Kammer, in der das Kind lag. 41 Er ergriff die Hand des Kindes und sagte zu ihm: Talita kum!, was übersetzt heißt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! 42 Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen. 43 Er aber gebot ihnen streng, dass niemand etwas davon erfahren dürfe, und sagte, man solle ihr zu essen geben.
(ubi sup.) Und wir können bemerken, dass leichtere und tägliche Fehler durch das Heilmittel einer leichteren Buße geheilt werden können. Deshalb erweckt der Herr das Mädchen, das im inneren Gemach liegt, mit einem sehr leichten Ruf, indem er spricht: Mädchen, steh auf; aber damit der, der vier Tage tot war, das Gefängnis des Grabes verlassen konnte, seufzte er im Geist, er wurde beunruhigt, er vergoss Tränen. Je schwerer also der Tod der Seele lastet, desto glühender muss der Eifer des Büßers voranschreiten. Aber auch dies muss beachtet werden, dass ein öffentliches Verbrechen eine öffentliche Wiedergutmachung erfordert; deshalb wurde Lazarus, als er aus dem Grab gerufen wurde, vor die Augen des Volkes gestellt: aber leichte Sünden müssen durch eine geheime Buße abgewaschen werden, deshalb wird das Mädchen, das im Haus liegt, vor wenigen Zeugen auferweckt, und diese werden gebeten, niemandem davon zu erzählen. Auch die Menge wird hinausgeworfen, bevor das Mädchen auferweckt wird; denn wenn nicht zuerst eine Menge weltlicher Gedanken aus den verborgenen Teilen des Herzens hinausgeworfen wird, kann die Seele, die drinnen tot liegt, nicht auferstehen. Gut war es auch, dass sie aufstand und ging, denn die Seele, die von der Sünde auferweckt wurde, soll nicht nur aus dem Schmutz ihrer Verbrechen aufstehen, sondern auch Fortschritte in guten Werken machen, und bald ist es notwendig, dass sie mit himmlischem Brot erfüllt wird, das heißt, teilhaftig des göttlichen Wortes und des Altares.