
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Markusevangelium 5
1 Sie kamen an das jenseitige Ufer des Sees, in das Gebiet der Gerasener. 2 Als er aus dem Boot gestiegen war, kam ihm sogleich einer aus den Grabhöhlen entgegen, der einen unreinen Geist hatte. 3 Er hauste in den Grabhöhlen und nicht einmal mit Ketten vermochte man ihn zu fesseln, 4 denn er war schon oft in Fußfesseln und Ketten geschlossen worden. Aber er hatte die Ketten gesprengt und die Fußfesseln zerrieben; niemand war imstande, ihn zu bändigen. 5 Immerfort, bei Nacht und bei Tag, war er in den Grabhöhlen und auf den Bergen, stieß Schreie aus und zerschlug sich mit Steinen. 6 Als er Jesus von weitem sah, lief er zu ihm hin, warf sich vor ihm nieder 7 und schrie mit lauter Stimme: Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, Sohn des höchsten Gottes? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht! 8 Er hatte nämlich zu ihm gesagt: Fahr aus, unreiner Geist, aus diesem Menschen! 9 Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Ich heiße Legion; denn wir sind viele. 10 Und er bat ihn dringend, sie nicht aus der Gegend zu verweisen. 11 Nun weidete dort am Berg eine große Schweineherde. 12 Da baten sie ihn: Schick uns in die Schweine, lass uns in sie hineinfahren! Das erlaubte er ihnen. 13 Da fuhren die unreinen Geister aus, fuhren in die Schweine und die Herde stürmte den Abhang hinab in den See, an die zweitausend Stück, und sie ertranken im See. 14 Ihre Hirten flohen und berichteten davon in der Stadt und auf den Höfen. Da kamen die Leute, um zu sehen, was geschehen war. 15 Sie kamen zu Jesus und sahen den Besessenen, der die Legion (Dämonen) gehabt hatte, bekleidet und vernünftig dasitzen. Da fürchteten sie sich. 16 Die Augenzeugen erzählten ihnen nun, wie es mit dem Besessenen zugegangen war, und auch das von den Schweinen. 17 Da baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen. 18 Als er in das Boot stieg, bat ihn der geheilte Besessene, bei ihm bleiben zu dürfen. 19 Er ließ es aber nicht zu, sondern sagte zu ihm: Geh nach Hause zu den Deinen und erzähle ihnen, was der Herr Großes an dir getan und wie er sich deiner erbarmt hat. 20 Da ging der Mann weg und fing an, in der Dekapolis zu verkünden, was Jesus Großes an ihm getan hatte; und alle gerieten in Staunen.
(Vict. Ant. e Cat. in Marc. et v. Chrys. Hom. in Matt. 28) Oder aber Markus und Lukas berichten, was am meisten des Mitleids würdig war, und deshalb führen sie ausführlicher auf, was diesem Mann widerfahren war; denn es folgt: Niemand konnte ihn binden, auch nicht mit Ketten. Sie sagten also einfach: ein Mensch, besessen von einem Dämon, ohne die Zahl zu beachten; oder damit er die größere Tugend im Wirker zeige; denn der, der einen solchen geheilt hatte, konnte viele andere heilen. Auch zeigt sich hier kein Widerspruch, denn sie sagten nicht, dass es nur einer war, denn dann hätten sie Matthäus widersprochen. Nun wohnten Dämonen in Gräbern, um vielen eine falsche Meinung zu vermitteln, dass die Seelen der Toten in Dämonen verwandelt würden.