Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 3
1 Als er wieder in eine Synagoge ging war dort ein Mann mit einer verdorrten Hand. 2 Sie beobachteten ihn, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn anklagen könnten. 3 Da sagte er zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und komm in die Mitte! 4 Dann sagte er zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes oder Böses zu tun, ein Leben zu retten oder zu töten? Sie aber schwiegen. 5 Und er blickte sie ringsherum zornig an, betrübt über die Verhärtung ihres Herzens, und sagte zu dem Mann: Streck die Hand aus! Er streckte sie aus und seine Hand wurde wieder gesund.
(ubi sup.) Mystisch aber zeigt der Mann mit der verdorrten Hand das Menschengeschlecht, das in Bezug auf die Fruchtbarkeit guter Werke verdorrt ist, nun aber durch die Barmherzigkeit des Herrn geheilt wird; die Hand des Menschen, die in unserem ersten Eltern verdorrt war, als er die Frucht des verbotenen Baumes pflückte, ist durch die Gnade des Erlösers, der seine schuldlosen Hände am Baum des Kreuzes ausstreckte, durch die Säfte guter Werke wieder gesund geworden. Wohl auch war es in der Synagoge, dass die Hand verdorrt war; denn wo die Gabe der Erkenntnis größer ist, dort ist auch die Gefahr unentschuldbarer Schuld größer.