Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 3
1 Als er wieder in eine Synagoge ging war dort ein Mann mit einer verdorrten Hand. 2 Sie beobachteten ihn, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn anklagen könnten. 3 Da sagte er zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und komm in die Mitte! 4 Dann sagte er zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes oder Böses zu tun, ein Leben zu retten oder zu töten? Sie aber schwiegen. 5 Und er blickte sie ringsherum zornig an, betrübt über die Verhärtung ihres Herzens, und sagte zu dem Mann: Streck die Hand aus! Er streckte sie aus und seine Hand wurde wieder gesund.
(ubi sup.) Und indem Er der Verleumdung der Juden zuvorkam, die sie für Ihn vorbereitet hatten, beschuldigte Er sie, die Vorschriften des Gesetzes durch eine falsche Auslegung zu verletzen. Daher folgt: Und Er sagte zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun? Und dies fragt Er, weil sie meinten, dass sie am Sabbat sogar von guten Werken ruhen müssten, während das Gesetz befiehlt, sich vom Bösen zu enthalten, indem es sagt: Ihr sollt keine knechtische Arbeit darin tun; (Lev. 23,7) das heißt, Sünde: denn wer die Sünde tut, ist der Knecht der Sünde. (Joh. 8,34) Was Er zuerst sagt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses, ist dasselbe wie das, was Er später hinzufügt, ein Leben zu retten oder zu verlieren; das heißt, einen Menschen zu heilen oder nicht. Nicht dass Gott, der im höchsten Maße gut ist, für uns der Urheber des Verderbens sein kann, sondern dass Sein Nichtretten in der Sprache der Schrift zerstören bedeutet. Wenn aber gefragt wird, warum der Herr, der den Leib heilen wollte, nach der Rettung der Seele fragte, so verstehe er entweder, dass in der gewöhnlichen Sprache der Schrift die Seele für den Menschen steht; wie gesagt wird: Alle Seelen, die aus den Lenden Jakobs kamen; (Exodus 1,5) oder weil Er jene Wunder zur Rettung einer Seele wirkte, oder weil die Heilung der Hand selbst die Rettung der Seele bezeichnete.