Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 2
23 Er wanderte am Sabbat durch die Kornfelder und seine Jünger machten sich unterwegs daran, Ähren abzurupfen. 24 Da sagten die Pharisäer zu ihm: Siehe, was sie am Sabbat Unerlaubtes tun! 25 Er antwortete ihnen: Habt ihr noch nie gelesen, was David tat, als er Not litt und er und seine Gefährten hungrig waren? 26 Wie er in das Haus Gottes ging, zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar, und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch seinen Gefährten davon gab? 27 Und er sagte zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen da und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28 Darum ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.
(ubi sup.) Im mystischen Sinne aber gehen die Jünger durch die Kornfelder, wenn die heiligen Lehrer mit der Sorge frommer Anteilnahme auf die schauen, die sie im Glauben eingeführt haben, und die, so wird angedeutet, nach dem Besten aller Dinge hungern, dem Heil der Menschen. Ähren abpflücken aber bedeutet, Menschen dem eifrigen Verlangen nach irdischen Dingen zu entreißen. Und mit den Händen reiben heißt, durch Beispiele der Tugend die Begierde des Fleisches von der Reinheit ihres Geistes entfernen, wie Menschen Spreu. Die Körner essen heißt, wenn ein Mensch, von der Unreinheit des Lasters durch die Münder der Prediger gereinigt, unter die Glieder der Kirche eingefügt wird. Wiederum wird passend berichtet, dass die Jünger dies taten, während sie vor dem Angesicht des Herrn gingen, denn es ist notwendig, dass die Rede des Lehrers zuerst kommt, obwohl die Gnade der Heimsuchung von oben, die ihr folgt, das Herz des Hörers erleuchten muss. Und mit Recht am Sabbat, denn die Lehrer selbst mühen sich in der Predigt um die Hoffnung auf zukünftige Ruhe und lehren ihre Hörer, sich für die ewige Ruhe abzumühen.