Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Markusevangelium 2
1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum kam, wurde bekannt, dass er zu Hause war. 2 Und es strömten so viele zusammen, dass nicht einmal vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort. 3 Da kamen Leute und brachten einen Gelähmten zu ihm, der von vier Männern getragen wurde. 4 Weil sie ihn wegen der Menge nicht bis zu ihm hinbringen konnten, deckten sie das Dach ab, wo Jesus war, machten eine Öffnung und ließen das Bett hinab. 5 Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Kind, deine Sünden sind dir vergeben. 6 Es saßen aber einige Schriftgelehrte dort und dachten in ihrem Herzen: Was redet der so? Er lästert. 7 Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 8 Doch Jesus erkannte sogleich in seinem Geist ihre Gedanken und sagte zu ihnen: Was denkt ihr in eueren Herzen? 9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? 10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Macht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben -- sagte er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 12 Und er stand auf, nahm sein Bett und ging sofort vor aller Augen hinaus, sodass alle außer sich gerieten, Gott priesen und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.
Aber obwohl ihre Gedanken bloßgelegt waren, bleiben sie dennoch unempfindlich und weigern sich zu glauben, dass der, der ihre Herzen kannte, Sünden vergeben könne; daher beweist der Herr ihnen die Heilung der Seele durch die des Leibes, zeigt das Unsichtbare durch das Sichtbare, das Schwierigere durch das Leichtere, obwohl sie es nicht als solches ansahen. Denn die Pharisäer hielten es für schwieriger, den Leib zu heilen, da er offener sichtbar ist; die Seele aber für leichter zu heilen, weil die Heilung unsichtbar ist; sodass sie so dachten: Siehe, er heilt jetzt nicht den Leib, sondern heilt die unsichtbare Seele; wenn er mehr Macht hätte, würde er sogleich den Leib geheilt haben und nicht zur unsichtbaren Welt Zuflucht genommen haben. Der Heiland aber, der zeigt, dass er beides kann, sagt: Was ist leichter? als ob er sagte: Ich werde zwar durch die Heilung des Leibes, die in Wirklichkeit leichter ist, aber euch schwieriger erscheint, euch die Gesundheit der Seele beweisen, die wirklich schwieriger ist.